Abschluss der Leistungsvereinbarung 2015 – 2017 mit dem IST Austria

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
zur Gänze eingetreten: Abschluss der Leistungsvereinbarung 2015 – 2017 mit dem IST Austria BMBWF UG 31 2015 2015 -155.662 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Nationale Rechtsgrundlage

IST Austria-Gesetz – ISTAG; Art. 15a B-VG-Vereinbarung

Problemdefinition

Das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) wurde mit Bundesgesetz vom 19. Mai 2006 (BGBl. I Nr. 69/2006) als juristische Person des öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit errichtet. Es dient der Spitzenforschung im Bereich der Grundlagenforschung und orientiert sich laut § 2 (2) an folgenden Grundsätzen:

1. Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre (Art. 17 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger, RGBl. Nr. 142/1867)
2. Unabhängigkeit in allen wissenschaftlichen Angelegenheiten sowie in den Bereichen Organisation, Management und Personalauswahl
3. Forschung auf Grundlage höchster international anerkannter Standards
4. Weltweite Rekrutierung von höchstqualifiziertem Forschungspersonal
5. Ausbildung von höchstqualifizierten Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern
6. Internationale Ausrichtung in Forschung und Lehre
7. Mitwirkung beim Aufbau von "Spin-Offs"
8. Intensive Kooperation mit in- und ausländischen universitären und außeruniversitären Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen

Nach der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und dem Land Niederösterreich über die Errichtung und den Betrieb des IST Austria hat sich der Bund verpflichtet, das IST Austria dauerhaft zu errichten und gemeinsam mit dem Land Niederösterreich zu erhalten. Diese Vereinbarung stellt den finanziellen Rahmen für die Leistungsvereinbarung dar . Die "Vereinbarung zur Abwicklung der Zahlungen des Bundes an das Institute of Science and Technology Austria und Berichtswesen 2007-2016", abgeschlossen zwischen dem IST Austria und dem BMWF am 2. Oktober 2007 (kurz "Zahlungsvereinbarung 2007"), regelte bisher die Bundesfinanzierung des IST Austria von 2007 bis 2016.

Die abzuschließende Leistungsvereinbarung gilt für den Zeitraum vom 1.1.2015 bis 31.12.2017 und ersetzt die bisher bestehende Zahlungsvereinbarung 2007. Die LV legt die Zielsetzungen und Maßnahmen fest, zu denen sich das IST Austria für die Dreijahresperiode 2015-2017 verpflichtet.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Das gegenständliche Vorhaben unterstützt mehrere Maßnahmen des Regierungsprogramms und trägt zur Umsetzung der Ziele und Maßnahmen der derzeit gültigen FTI-Strategie bei.
Beispiele hierfür sind:
• Exzellenzorientierung vorantreiben: IST Austria dient lt. Errichtungsgesetz der Spitzenforschung, die Erfolgsquote des IST Austria beim Europäischen Forschungsrat liegt bei rund 50%, etc.
• Ausbau der internationalen Attraktivität als akademischer Standort: Die Arbeitssprache am IST Austria ist Englisch, Tenure-Track-Karrieremodell, internationale Graduate School, etc.
• Bestmögliche Nutzung der EU-Förderprogramme: Der EU-Anteil bei eingeworbenen Drittmitteln liegt bei 71%, davon stammen 54% vom hochkompetitiven Europäischen Forschungsrat (ERC), etc.
• Brückenschlag von der Grundlagenforschung bis zur Verwertung von Forschungsergebnissen, Wissenstransfer: Der Technologiepark IST Park befindet sich im Aufbau, Entrepreneurship wird über das TWIST Programm gefördert, die Investitionsplattform IST CUBE unterstützt bei der Gründung und Entwicklung von Tech-Start-ups, etc.
• Exzellenzinitiative zur Steigerung der kompetitiven Grundlagenforschung (z.B. Förderung herausragender Nachwuchswissenschafter/innen, kompetitive Anreize für Forschungsexzellenz für Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen): 1/3 der Bundesfinanzierung erfolgt leistungsabhängig, der herausragende wissenschaftliche Nachwuchs wird im Rahmen der PhD-Ausbildung in der Graduate-School sowie im Postdocprogramm gefördert; Tenure-Track-Karrieremodell nach Vorbild der US-Universitäten; durchgängige „internen Karrieren“ sind nicht möglich, Assistant Professor/inn/en haben von Beginn an volle wissenschaftliche Unabhängigkeit, etc.
• Grundfinanzierungsmodell außeruniversitärer Einrichtungen zw. Bund und Ländern: Bestehende 15a B-VG Vereinbarung zwischen Bund und Land NÖ als Erhalter des IST Austria, langfristiger Planungshorizont 2007-2026.
• Teilnahme am globalen Wettbewerb um die „besten Köpfe“: IST Austria rekrutiert weltweit die in ihrem Bereich führenden Forschenden.
• Beitrag zum Aufbau exzellenter Forschungsschwerpunkte (siehe oben).


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2015 2016 2017 2018 2019 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 72 72 0 74 74 0 75 75 0 0 0 0 0 0 0 221 221 0
Betrieblicher Sachaufwand 25 25 0 26 26 0 26 26 0 0 0 0 0 0 0 77 77 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 43.568 43.153 -415 53.543 51.619 -1.924 61.387 60.592 -795 0 0 0 0 0 0 158.498 155.364 -3.134
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Aufwendungen gesamt 43.665 43.250 -415 53.643 51.719 -1.924 61.488 60.693 -795 0 0 0 0 0 0 158.796 155.662 -3.134
Nettoergebnis -43.665 -43.250 -53.643 -51.719 -61.488 -60.693 0 0 0 0 -158.796 -155.662

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

1/3 der Bundesfinanzierung des IST Austria wird leistungsabhängig ausbezahlt. Dieser leistungsbezogene Finanzierungsanteil kann in einem Jahr nur abgerufen werden, wenn im vorangegangenen Jahr die entsprechende Leistung erbracht wurde. In der ersten Finanzierungsperiode laut 15a B-VG Vereinbarung (2007—2016) wurden 100 % der leistungsabhängigen Finanzierung durch die Einwerbung von Drittmitteln bestimmt. Die in einem Jahr nachweislich von IST Austria lukrierten Drittmittelflüsse werden, so sie die Kriterien laut LV erfüllen, im Folgejahr vom Bund verdoppelt. Da die Drittmitteleinwerbung im (internationalen) Wettbewerb erfolgt und mit vielen Unsicherheiten behaftet ist, kann es zu Schwankungen zwischen Planung und tatsächlichem Erfolg kommen. Die Differenz der Auszahlung gegenüber der Planung ergibt sich durch die jährliche Abrechnung der tatsächlich eingeworbenen Drittmittel aus dem Vorjahr, die verdoppelt werden.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: zur Gänze eingetreten.

Mit der ersten Leistungsvereinbarung (LV) zwischen IST Austria und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF, szt. BMWFW) für den Zeitraum von 2015-2017 wurde die bis dahin bestehende 10-Jahres-Zahlungsvereinbarung aus dem Jahr 2007 abgelöst und mit der LV, analog zu entsprechenden Vereinbarungen mit den Universitäten und der ÖAW, ein erprobtes und zeitgemäßes Steuerungsinstrument eingeführt. Durch diesen Paradigmenwechsel konnten die Governancestrukturen im Sinne eines kohärenten Gesamtsystems adaptiert werden. IST Austria verpflichtete sich für die LV-Periode zur Erreichung definierter Zielsetzungen und zur Umsetzung konkreter Maßnahmen und erhielt im Gegenzug eine mehrjährige Planungs- und Finanzierungssicherheit durch den Bund. Die vertraglichen Rahmenbedingungen für die LV wurden in einer Rahmenvereinbarung verankert. In jährlichen Begleitgesprächen erstattete das Institut dem BMBWF Bericht über den Umsetzungsstand der LV-Maßnahmen. Darüber hinaus fand jährlich ein Austausch der beiden Erhalter BMBWF und Land Niederösterreich mit dem Institut statt.
IST Austria hat die Zielsetzungen der LV sehr gut umgesetzt: 2017 lukrierte IST Austria Drittmittelflüsse in der Höhe von 20,01 Mio. Euro und damit etwa doppelt so viel wie als Ziel definiert (vgl. Ziel 1, Kennzahl 1). Das tatsächliche Ausmaß an erfolgreich im internationalen Wettbewerb eingeworbenen Drittmitteln, die im Falle von IST Austria zu einem Großteil aus der EU-Spitzenforschungsförderung (Europäischer Forschungsrat, ERC) stammen, war nicht absehbar. Solche Programme sind hoch kompetitiv und weisen entsprechend geringe Erfolgsraten auf. Umso bemerkenswerter ist, dass IST Austria 2018 mit einer ERC-Erfolgsquote von 48% international einen Spitzenwert aufweist (an 1. Stelle von 65 Institutionen mit mindestens 30 ERC Grants). Die 2. wissenschaftliche Evaluierung wurde 2015 durchgeführt und ihre Ergebnisse und die ausgesprochenen Empfehlungen soweit wie möglich berücksichtigt und in die Organisationsstrukturen des IST Austria eingearbeitet (Meilenstein 1). Die Zahl der Bewerbungen auf Ausschreibungen im wissenschaftlichen Bereich (Ziel 2, Kennzahl 1) lag mit 16.149 deutlich über dem zum WFA-Zeitpunkt definierten Zielwert. Dies war aber weder zu erwarten noch vorhersehbar. Da es sich beim IST Austria um ein relativ junges Forschungsinstitut im Ausbau handelt (Eröffnung im Jahr 2009), dessen Entwicklung - im Gegensatz zu lange bestehenden Einrichtungen - mit vielen Unbekannten behaftet ist, ist die Definition von exakten „Spannweiten“, die sich auf jahrzehntelange Erfahrungswerte stützen, nicht möglich. Zum Zeitpunkt der WFA wurden die Bewerbungszahlen aus den Jahren 2010-2013 als Referenzwert für die Zieldefinition herangezogen. Dass der Zielwert nun derart übertroffen wurde, ist sehr erfreulich, zeigt dies doch die wachsende Bekanntheit und das Renommee des IST Austria, welches bei der Nature Index-Erhebung 2018 als einzige Institution außerhalb Asiens unter den Top-10 der jungen (<30 Jahre), aufstrebenden Forschungszentren weltweit gelistet wurde. Das Ziel einer PhD-Abschlussquote von mehr als 75% (Ziel 2, Kennzahl 2) wurde erreicht: 86,7% jener Doktoratsstudierenden, die 5 Jahre zuvor das „Qualifying Exam“ bestanden haben, hatten zum Evaluierungszeitpunkt einen PhD-Abschluss erlangt. Die Zielsetzung der intensiven Kooperation mit in- und ausländischen universitären und außeruniversitären Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen (Ziel 4, Kennzahl 1 und Meilenstein 1) wurde erreicht: Bei 81% der in der Datenbank Scopus verzeichneten Publikationen von IST Austria-Mitarbeiter/inne/n handelt es sich um Kopublikationen mit Autor/inn/en mit anderer Organisationszugehörigkeit. Ebenso erfolgreich umgesetzt wurde die Einspeisung der Institutsinfrastruktur in die Forschungsinfrastrukturdatenbank des BMBWF. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass IST Austria von 4 Zielvorgaben und den damit verbundenen Maßnahmen 3 überplanmäßig und 1 zur Gänze erfüllt hat.

Verbesserungspotentiale

Die Leistungsvereinbarung 2015-2017 mit IST Austria hatte aufgrund der Erstmaligkeit in der Beziehung zwischen Ressort und Institut Pilotcharakter. Ziel musste es daher und wird es auch zukünftig sein, aus den gemachten Erfahrungen der vorangegangenen LV-Leistungsperiode(n) zu lernen und die konstante Weiterentwicklung und - wo notwendig - Anpassung der LV-Regeln sicherzustellen. Dies wurde im Zuge der Verhandlung der zweiten LV 2018-2020 z.B. insofern umgesetzt, als dass unter Einbindung des BMF eine Neuregelung des Auszahlungsregimes der Bundesmittel ausverhandelt wurde, die dem Institut die notwendige größtmögliche Flexibilität bietet und gleichzeitig die Einhaltung der haushaltsrechtlichen Erfordernisse des Bundes unterstützt.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen