Förderung kreativwirtschaftsbasierter Innovationen - aws impulse

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
zur Gänze eingetreten: Förderung kreativwirtschaftsbasierter Innovationen in Österreich - evolve / aws impulse BMDW UG 33 2015 2008 -20.854 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Problemdefinition

Die Kreativwirtschaft ist selbst ein wichtiger Faktor der österreichischen Wirtschaft (siehe 6. KWB 2015; 10 % der Unternehmen, 4 % der Beschäftigten, 4 % der Bruttowertschöpfung). Die Kreativwirtschaft hat weiters eine hohe innovationspolitische Relevanz, die sich jedoch weniger durch ihren Beitrag zur Generierung von technischem Wissen manifestiert, sondern vielmehr durch den beträchtlichen Wissens- und Technologietransfer, der von ihr ausgeht. Die Unternehmen der Kreativwirtschaft sind aufgrund der für sie typischen sehr kleinteiligen und projektorientierten Organisationsformen Vorreiter hinsichtlich neuer Arbeitsrealitäten und damit auch ein wichtiger Impulsgeber für die Wirtschaft. In Zeiten, wo im Wettbewerb der globalen Märkte nicht nur Kostenfaktoren für den Erfolg am Markt entscheidend sind, wird der Anteil kreativer Leistungen von Produkten, Dienstleistungen und Verfahren immer bedeutsamer. Insbesondere die zunehmende Bedeutung der nicht-technologischen Innovationen wird in der und durch die Kreativwirtschaft in einem hohen Maße abgedeckt. Dank ihrer hohen Problemlösungskompetenz und starken Innovationsorientierung ist die Kreativwirtschaft Innovationstreiber für andere Branchen (insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU)) und leistet einen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Gesamtwirtschaft (siehe 3. KWB). Die Kreativwirtschaft schafft neue Nutzererfahrungen, womit sie Innovationen stimuliert, anwend- sowie vermarktbar macht.

Fehlende Finanzierung und das damit verbundene wirtschaftliche Risiko stellen in diesem kleinststrukturierten Wirtschaftssektor jedoch eine wesentliche Barriere in der Entwicklung und Marktüberleitung von neuen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen dar.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

1) Strategie der Bundesregierung für Forschung, Technologie und Innovation (2011): "Potenziale ausschöpfen, Dynamik steigern, Zukunft schaffen. Der Weg zum Innovation Leader."
"Die Innovationspolitik in Österreich setzt aber noch zu sehr auf ein eng gefasstes, technologisches Innovationskonzept, das zu wenig auf die nicht technologischen Aspekte wie organisatorische Innovationen, Dienstleistungskonzepte oder neue Business-Modelle eingeht. Dabei ist auch der steigenden Bedeutung der NutzerInnen und KonsumentInnen bei der Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen gerecht zu werden". (S. 26).
"Der Fokus liegt daher aufbauend auf den Stärkefeldern der österreichischen Wirtschaft auf (…) der Verbreiterung der Innovationsaktivitäten aller Unternehmen, insbesondere aber der Klein- und Mittelbetriebe (KMU), der stärkeren Nutzung des Potenzials der Kreativwirtschaft, der substanziellen Anhebung des Innovationsniveaus (….)" . S. 26
2) Kreativwirtschaftsstrategie für Österreich (2016): 2016 wurde unter Federführung des nunmehrigen BMDW unter breiter Einbindung der Akteure in einem mehrmonatigen Co-Creation Prozess eine Kreativwirtschaftsstrategie für Österreich erarbeitet, die die Marschroute bis 2025 festlegen soll.
3) Den allgemeinen Rahmen in Österreich bildet das Regierungsprogramm 2018-2022, das folgende Punkte zum Themenbereich nicht-technologische Innovationen enthält:
-Förderung von Geschäftsmodellinnovationen im Fördersystem stärker berücksichtigen (S. 83)
-Innovative, neue Geschäftsmodelle und Technologien im Sinne der gesellschaftlichen Entwicklung ermöglichen (S. 81)
-Nichttechnologische, gesellschaftliche Innovation und Social Entrepreneurship stärker in Förderprogramme miteinbeziehen (S. 79)
-Erleichterung des Zugangs von KMU zu Förderungen durch Verankerung eines breiteren Innovationsbegriffs in Richtlinien und Förderkriterien (S. 136).
4) Den europäischen Rahmen bildet die auf zehn Jahre angelegte Wachstums- und Beschäftigungsstrategie der EU, "Europa 2020", in der sich die Innovationsorientierung als Grundgedanke in einer sehr breiten Weise durchzieht. Die Verwirklichung der Innovationsunion wurde als eine der 7 Leitinitiativen von Europa 2020 deklariert. Hierzu kann die Kreativwirtschaft einen wesentlichen Beitrag leisten und ist daher einer der Schwerpunkte:
-Siehe Mitteilung der Kommission KOM(2010) 546, S. 4, Punkt 9: "Wir müssen unsere Stärken in der Gestaltung und im kreativen Bereich besser zur Geltung bringen. Wir müssen auf soziale Innovationen setzen."
-Mitteilung der EK 2014 "For a European Industrial Renaissance": unterstreicht die Rolle der Kreativwirtschaft als einer der zentralen Sektoren, um die EU aus der Wirtschaftskrise zu bringen.
-Studie der EK 2016 "Boosting the competitiveness of cultural and creative industries for growth and jobs"


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2015 2016 2017 2018 2019 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Werkleistungen 600 584 -16 600 675 75 600 600 0 600 576 -24 0 0 0 2.400 2.435 35
Transferaufwand 4.900 3.884 -1.016 4.900 5.229 329 4.900 4.525 -375 4.900 4.781 -119 0 0 0 19.600 18.419 -1.181
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Aufwendungen gesamt 5.500 4.468 -1.032 5.500 5.904 404 5.500 5.125 -375 5.500 5.357 -143 0 0 0 22.000 20.854 -1.146
Nettoergebnis -5.500 -4.468 -5.500 -5.904 -5.500 -5.125 -5.500 -5.357 0 0 -22.000 -20.854

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Für die Jahre 2015-2018 wurden für die aws Kreativwirtschaft Mittel in folgender Höhe veranschlagt/ pro Jahr: - max. EUR 4.300.000,-- monetäre Förderungsmittel für Unternehmen (aus den beiden Förderungslinien "aws impulse XS" und "aws impulse XL" - max. EUR 600.000,-- Förderungsmittel in Form von Beratungen etc. (i.e. Realförderung von Unternehmen durch nicht-monetäre Leistungen der aws, z.B. Beratung, Schulungen, Veranstaltungen, Netzwerkaktivitäten...) - max. EUR 600.000,-- Abwicklungsentgelt für die aws (Austria Wirtschaftsservice GmbH) für die Durchführung des Förderungsprogramms Die stärkere Abweichung des Transferaufwands vom Plan beruht darauf, dass im Jahr 2015 entgegen der Planungen nicht zwei Förderungsrunden (im Halbjahresrhythmus), sondern nur eine Förderungsrunde durchgeführt werden konnten. Dies ist auf den Umstand zurückzuführen, dass der gesamte aws-Technologie-&Innovationsvertrag des Ressorts mit der aws erst mit Mitte 2015 in Kraft getreten ist und somit keine vertragliche Grundlage für die Vergabe von Förderungsmitteln bzw. die Durchführung von Ausschreibungen im ersten Halbjahr 2015 gegeben war. Im Jahr 2016 wiederum kam es zu überplanmäßigen Bewilligungen aufgrund besonders hoher Einreichzahlen, die auch in Zusammenhang mit der Erstellung der Kreativwirtschaftsstrategie für Österreich zu sehen sind. Die Veröffentlichung der Kreativwirtschaftsstrategie hat größere Sichtbarkeit und Awareness für das Thema erzeugt, wodurch noch mehr Unternehmen aus dem Umfeld Projekte eingereicht haben. In den Jahren 2017 und 2018 wurden die Maximalbudgets von der aws eingehalten und keine großen Abweichungen verzeichnet.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: zur Gänze eingetreten.

Mit den "impulse"-Förderungen wurde neues Terrain in der FTI-Politik beschritten, sowohl national als auch teilweise international. Grundlegend ist nämlich ein breiter, nicht-technologisch geprägter Innovationsbegriff, der weit über klassisch naturwissenschaftlich-technische Forschungs-&Entwicklungskategorien hinausgeht und neue Themenfelder des Innovationsbereichs erschließt, die vielfach mit dem Themenfeld Kreativwirtschaft enge Berührungspunkte haben: open innovation, Dienstleistungsinnovationen, social innovation, organisatorische Innovationen, Geschäftsmodellinnovationen & neue Business-Modelle, Startups, Digitalisierung - all dies sind Schlüsselbegriffe. Die Kreativwirtschaft ist somit eine zentrale Treiberin nicht-technologischer Innovationen und bringt als Early Adopter neuer Technologien die Digitalisierung in die KMU. In den impulse-Förderungsprogrammen werden jene Lösungen entwickelt, mit denen (oftmals durch digitale Technologien) neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungsinnovationen etc. generiert werden - vielfach mit dem Ziel, einen sozialen, gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Die Innovation liegt dabei nicht in der Technologie, sondern in deren Anwendung und Schaffung von etwas Neuem, das für Unternehmen und Gesellschaft von Relevanz ist.

Im Gegensatz zu "klassischen" FTI-Förderungen, bei denen Österreich bereits über ein breit ausdifferenziertes Instrumentarium verfügt, steckt der Bereich der gezielten Unterstützung nicht-technologischer, anwendungsorientierter Innovation noch in den Kinderschuhen. Gleichzeitig besteht Einigkeit darüber, dass dieser Bereich im modernen Wirtschaftsleben zunehmend an Bedeutung gewinnen und für die künftige Wettbewerbsfähigkeit mitentscheidend sein wird. Dahingehend ist auch das aktuelle Regierungsprogramm zu lesen (siehe Punkt 7.1.), das mehrfach einen stärkeren Fokus auf nicht-technologische, Geschäftsmodell-, und gesellschaftliche Innovation postuliert mit gleichzeitiger Verankerung eines breiten Innovationsbegriffs. Genau diese Stoßrichtung verfolgen daher die "impulse" Programme zur kreativwirtschaftsbasierten Innovationsförderung des BMDW.

Dass die impulse Förderungen einen großen Bedarf in der österreichischen Wirtschaft abdecken und eine Art „Vakuum“ füllen, zeigt sich auch an den Einreichzahlen: Pro Jahr wurden in Summe über die beiden Förderungslinien rund 400 Projekte eingereicht. Rund 40-50 Projekte pro Jahr konnten mit den verfügbaren Förderungsmitteln tatsächlich gefördert werden.

Sieht man sich den European Innovation Scoreboard (EIS) an, so wird auch hier deutlich, dass Österreich im Bereich der Innovationsaktivitäten Richtung Markt noch Nachholbedarf hat: 2010 lag der Referenzwert für die mit neuen oder stark verbesserten Produkten erzielten Umsätze bei nur 80,1 (EU-Schnitt bei 100). Aufgrund von Maßnahmen wie den impulse-Förderungsprogrammen, die gezielt auf diese Themen fokussieren, konnte Österreich seinen relativen Wert bei diesem Kernindikator deutlich verbessern und liegt nunmehr bei 87,3 (Zahlen 2017). Diese positive Entwicklung weist darauf hin, dass die impulse-Förderungen und andere Maßnahmen im Bereich Innovationsförderung greifen, was sich bei mehreren Faktoren zeigt: Zum einen steigt die Anzahl der Kreativwirtschaftsunternehmen in Relation zur Gesamtwirtschaft an. Dies ist insofern relevant, als die impulse-Förderungen in vielen Fällen von neu gegründeten oder in Gründung befindlichen Unternehmen in Anspruch genommen werden, deren wirtschaftliche Entwicklung noch prekär ist. In Kombination mit der geringen Anzahl an Konkursen innerhalb dieser geförderten Unternehmen ist daher davon auszugehen, dass die Förderung zu einer positiven Entwicklung der Gesamtunternehmenszahlen (bedingt durch eine finanzielle Risikoabfederung) im Kreativwirtschaftsbereich beiträgt. Zum anderen zeigt sich, dass diese geförderten Unternehmen einige Zeit nach Auslaufen der Förderung auch vielfach bessere Eckdaten aufweisen als andere Unternehmen: Sie haben kürzere Innovationszyklen, haben mehr Produkte/Dienstleistungen auf den Markt gebracht, waren öfter an Innovationen beteiligt, sind besser mit Kooperationspartnern vernetzt und erzielen dadurch letztlich auch höhere Umsätze. All die o.a. Faktoren belegen somit, dass die von der Förderung intendierten Wirkungen sogar überplanmäßig erreicht wurden.

Gleichzeitig macht der Indikator des EIS aber auch deutlich, dass Österreich auf dem Gebiet der Innovationsförderung und Marktüberleitung weiterhin Aufholbedarf hat und weitere Anstrengungen unternehmen sollte, um bei "soft & non-tech innovations" bessere Erfolge zu erzielen und erfolgreiche Innovationsmuster für Unternehmen zu ermöglichen. Daher gilt es, die impulse-Förderungsprogramme in diesem Sinne weiterzuführen, um eine weitere Output-Steigerung und eine Entwicklung Richtung EU-Schnitt anzustreben - und in weiterer Folge auch darüber hinaus (im Sinne des allgemeinen Ziels, Innovation Leader zu werden).

Verbesserungspotentiale

Durch die kreativwirtschaftsbasierten Innovationsförderungen werden nicht nur wie oben beschrieben Innovationsimpulse gehebelt, sondern auch Crossover-Effekte, die von den Kreativwirtschaftsunternehmen ausgehen, auf die restliche Wirtschaft und das Innovationssystem ausgelöst. Diese Crossover-Effekte gehen dabei weit über ihre eigene Wirtschaftsleistung hinaus und betreffen etwa die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit anderer Branchen oder Beiträge zur Lösung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen in Bereichen wie Ökologie, soziale Inklusion etc. Der Rat der Europäischen Union (2015) definiert "Crossover-Effekte zwischen dem Kultur- und Kreativbereich und anderen Bereichen als einen Prozess [...], bei dem die Kenntnisse und Fähigkeiten, die für den Kultur- und Kreativbereich charakteristisch sind mit den Kenntnissen und Fähigkeiten in anderen Bereichen kombiniert werden, um innovative und intelligente Lösungen für die heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu generieren." Sowohl von EU-Seite, wo dem Thema Crossovers der Kreativwirtschaft steigende Bedeutung eingeräumt wird, als auch beruhend auf den Erkenntnissen aus den impulse-Förderungen der letzten Jahre deutet daher vieles darauf hin, dass das Thema Kreativwirtschaft noch breiter adressiert werden sollte. Es gilt noch stärker herauszuarbeiten, dass es nicht um die Förderung von Kreativwirtschaft als Selbstzweck geht, sondern um die gezielte Forcierung ihrer Wirkungen als Motor im Innovationssystem und als Katalysator für Transformationsprozesse in der restlichen Wirtschaft durch die gezielte Auslösung und Verstärkung der oben beschriebenen Crossover-Effekte. Ziel ist, die Nutzung und Integration kreativwirtschaftlichen Know-hows entlang der gesamten Wertschöpfungskette und über Branchengrenzen hinweg zu adressieren und sichtbar zu machen. Es gilt, Kreativwirtschaftsinputs als zentralen Innovations- und Transformationstreiber für alle KMU zu positionieren, um das österreichische Innovationssystem nachhaltig anzuschieben.

Weitere Evaluierungen

Zum jetzigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren wie im FTI-Bereich des BMDW üblich eine neuerliche Evaluierung der impulse-Förderungsprogramme durchgeführt werden wird. Aufgrund der Tatsache, dass eine neue Vertragsperiode mit der aws ansteht und weiters Überlegungen zu Streamlining von Agentur-Aktivitäten bestehen, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch kein genaues Datum für eine neuerliche Evaluierung genannt werden.

Weiterführende Informationen