Sicherstellung ganztägiger Schulformen und Aufwertung von Bewegung und Sport

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
überwiegend eingetreten: Sicherstellung eines Angebots an ganztägigen Schulformen (in verschränkter / nicht verschränkter Form) nach entsprechenden Qualitätskriterien in zumutbarer Entfernung und Aufwertung von Bewegung und Sport BMBWF UG 30 2015 2015 -71.185 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Nationale Rechtsgrundlage

SchOG § 2 und § 8

Problemdefinition

Ein qualitätsvolles Angebot an ganztägigen Schulformen ist für die individuelle Förderung von Kindern notwendig. Ganztägige Schulformen ermöglichen vor allem in Form der verschränkten Ganztagsschule die Umsetzung des Konzepts des pädagogisch fundierten Abwechselns zwischen Lerneinheiten, Fördereinheiten, Sport und Freizeit. Ganztägige Schulformen sind sozial gerechter, da vielfach erwiesen wurde, dass in dieser Schulform die Kosten für Nachhilfe sinken – bei ganztägigen Schulangeboten werden dadurch sozial schwächere Familien finanziell entlastet. Ganztägige Schulformen ermöglichen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung, was vor allem Frauen zu Gute kommt, die voll erwerbstätig sein wollen. Ganztägige Schulformen sind ein Motor der Integration für SchülerInnen mit Migrationshintergrund, da durch das gemeinsame Lernen spielerisch Spracherwerb erleichtert und Diversität so gelebt wird, dass kulturelle sowie soziale Barrieren spielerisch abgebaut werden.
Durch die Qualitätsmanager der Schulaufsicht wird das Angebot der Standorte weiterentwickelt. Die Ergänzung zu diesen Bestimmungen soll klar stellen, dass bei Schulen mit ganztägiger Schulform (Schulen mit Tagesbetreuung, vgl. § 8 lit. j SchOG) auch der Betreuungsteil der Schulaufsicht unterliegt. Dieser umfasst neben den Lernzeiten jedenfalls einen Freizeitteil (einschließlich Verpflegung). Alle Teile der ganztägigen Schulen, egal ob sie mit dem Unterrichtsteil in verschränkter oder in getrennter Form geführt werden, sind vom Geltungsbereich des Bundes-Schulaufsichtsgesetzes umfasst und unterliegen dessen Qualitätsmanagement. Davon unberührt bleiben die Zuständigkeiten anderer Stellen (Diensthoheit gegenüber Lehr- und sonstigem Personal durch Bund, Land und/oder Schulerhalter, Ausstattung und Verpflegung durch Schulerhalter) gemäß den Vollzugszuständigkeiten der Art. 14 und 14a B-VG.
An ganztägigen Schulformen bildet der Betreuungsplan einen Teil des Lehrplanes. Derzeit sind Betreuungspläne nur für die gegenstandsbezogene und die individuelle Lernzeit festzulegen. Tatsächlich enthalten die Lehrpläne nur marginal Bestimmungen, die auch den Freizeitteil anlangen. Die zu überarbeitenden Lehrpläne sollen für den Betreuungsteil vorsehen, dass die Lernzeiten jedenfalls der Bearbeitung von Hausübungen, der Festigung und Förderung der Unterrichtsarbeit sowie der individuellen Förderung dienen. Die Erarbeitung neuer Lerninhalte im Betreuungsteil soll auch in Zukunft nicht zulässig sein.
Die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität für die Gesundheit wird in der Gesellschaft zunehmend wahrgenommen und akzeptiert. So verweisen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Kommission explizit auf den hohen Stellenwert von Bewegung für die Gesundheit und fordern dazu auf, der körperlichen Aktivität auf nationaler Ebene mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Bewegung und Sport werden in zunehmendem Maße als notwendiger Bestandteil nationaler Public-Health-Maßnahmen verstanden und bilden einen zentralen Pfeiler der Gesundheitsförderungsstrategie des Bundesministeriums für Bildung und Frauen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt insbesondere der Bewegung im Kindes- und Jugendalter einen hohen Stellenwert zu, da körperliche Aktivität unter anderem die Lernfähigkeit fördert und Bewegungsgewohnheiten, die man im Kindes- und Jugendalter annimmt, sehr wahrscheinlich im Erwachsenalter beibehalten werden (World Health Organization, 2012).
Bundeslandspezifische Untersuchungen (siehe u.a. Gesundheits- und Fitnessstudie NÖ SchülerInnen 2010) über Schülerinnen und Schüler der 4. – 13 Schulstufe belegen, dass 22% der Burschen und 16% der Mädchen übergewichtig oder adipös sind, 18,5% der Burschen und 15,5% der Mädchen wegen struktureller Auffälligkeiten des Bewegungsapparates oder starker Haltungsschwäche eine fachärztliche orthopädische Begutachtung oder Verlaufskontrolle empfohlen wurde.
Diese bundeslandspezifischen Ergebnisse können im Allgemeinen als Indiz für den Gesundheitszustand österreichischer Schülerinnen und Schüler exemplarisch herangezogen werden.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Der bedarfsgerechte Ausbau der ganztägigen Schul- und Betreuungsformen ist im Regierungsprogramm 2017 - 2022 als Vorhaben verankert. Auch die Weiterentwicklung der mit dem Modell "Tägliche Bewegungseinheit" gesetzten Aktivitäten und die Entwicklung einer effektiven und praktikablen Lösung für mehr Sport und Bewegung an Schulen ist Teil des Regierungsprogramms.

Eines der Wirkungsziele des BMBWF lautet "Verbesserung der Bedarfsorientierung sowie der Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit im Bildungswesen". Eine der dafür angegebenen Kennzahlen bezieht sich auf die Zahl der Schülerinnen und Schüler in der Ganztagesschule. Auch auf Global- und Detailbudgetmaßnahmenebene ist der Ausbau der ganztägigen Schulformen als Maßnahme formuliert.


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2015 2016 2017 2018 2019 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 2.217 231 -1.986 8.066 435 -7.631 12.311 516 -11.795 16.556 2.875 -13.681 19.386 5.213 -14.173 58.536 9.270 -49.266
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 2.298 1.992 -306 8.926 7.874 -1.052 15.026 13.375 -1.651 21.126 18.063 -3.063 25.193 20.611 -4.582 72.569 61.915 -10.654
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Aufwendungen gesamt 4.515 2.223 -2.292 16.992 8.309 -8.683 27.337 13.891 -13.446 37.682 20.938 -16.744 44.579 25.824 -18.755 131.105 71.185 -59.920
Nettoergebnis -4.515 -2.223 -16.992 -8.309 -27.337 -13.891 -37.682 -20.938 -44.579 -25.824 -131.105 -71.185

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Die tatsächlichen finanziellen Auswirkungen blieben unter der Planung, da im Gesamtzeitraum nur 37.500 der geplanten 55.000 zusätzlichen Betreuungsplätze an ganztägigen Schulformen geschaffen wurden. Die Plandaten stammen aus dem zur Vereinbarungen gemäß Art. 15a B-VG über den weiteren Ausbau ganztägiger Schulformen für die Schuljahre 2015/16 bis 2018/19 entwickelten Ausbauszenario mit einem Ausbauziel von 200.000 Betreuungsplätzen. Für diesen geplanten Ausbau wurden den Schulerhaltern die erforderlichen Mittel bereitgestellt. Der Ausbau ganztägiger Schulformen erfolgt aber immer bedarfsorientiert, also nur dann, wenn genügend Anmeldungen vorhanden sind. Im Schuljahr 2014/15 waren 140.000 Schüler/innen zu ganztägigen Schulformen angemeldet, im Schuljahr 2018/19 waren es 177.500. Entsprechend dem geringeren Ausbau wurden auch die Mittel aus der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG von den Schulerhaltern nicht zur Gänze abgerufen.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: überwiegend eingetreten.

Von Schuljahr 2014/15 bis Schuljahr 2018/19 wurden an zusätzlichen 366 Standorten über 37.500 Schülerinnen zusätzlich betreut. Die quantitative Steigerung geht Hand in Hand mit einer qualitativen Verbesserung, die sich insbesondere durch die engmaschige Begleitung der Schulen in der Erstellung ihres pädagogischen Konzeptes und dessen Bewertung durch die Schulaufsicht auszeichnet.

Die angestrebte Schaffung von Rahmenbedingungen zur Integration von mehr Bewegung in den Schulalltag wurde an den ganztägigen Schulformen im Wesentlichen erreicht. Die Betreuungspläne geben die tägliche Bewegungseinheit als zentralen Schwerpunkt vor. Die Qualitätsentwicklung der ganztägigen Schulformen wurde standardisiert und wird von Seiten der Schulaufsicht im Rahmen der Schulqualitätsentwicklung und einer Online-Erfassung des pädagogischen Konzeptes aller ganztägig geführten Schulen begleitet und kontrolliert. Die Voraussetzungen für den Einsatz von qualitätsvoll ausgebildetem Personal auch in den Freizeiteinheiten wurden geschaffen.

Die Erhebung des Einsatzes von Freizeitpädagoginnen und Freizeitpädagogen mit Schwerpunkt Sport lässt sich in der angedachten Form nicht realisieren, da einerseits die Zuständigkeit für die Anstellung des Freizeitpersonals bei den Schulerhaltern liegt (d.h. im Bereich der allgemeinbildenden Pflichtschulen ist dies in der Regel die Aufgabe der Gemeinde) und andererseits nachfragebedingt nicht entsprechend viele Personen mit dieser Schwerpunktsetzung ausgebildet wurden. Von Seiten des Bundes wurden jedoch mit SchOG § 8 (j) die Voraussetzungen geschaffen und wurden bzw. werden weiterhin die Mittel für die Ausbildung von Freizeitpädagoginnen und -pädagogen an den Pädagogischen Hochschulen bereit gestellt.

Das Vorhaben, die für eine gesunde Entwicklung wichtige Bewegungszeit im Regelunterricht abzusichern und über den Ausbau ganztägiger Schulformen sogar auszubauen, kann insgesamt als gelungenes Regelungsvorhaben bezeichnet werden. Die Maßnahme, dass Personen, die eine entsprechende Vorqualifikation im sportlichen Bereich vorweisen können, einen vereinfachten Weg für die Tätigkeit im Freizeitteil ganztägiger Schulformen eröffnet wird (siehe dazu auch BGBl Nr. 374/2017) wird ebenso als qualitativ wertvoll bewertetet und ist grundsätzlich gegeben. Mit der Maßnahme Vorqualifikationen im sportlichen Bereich anzuerkennen und einen effizienten Weg zur Qualifikation wie im SchOG § 8 (j) beschrieben, aufzuzeigen, konnte mit dem vorliegenden Vorhaben auch dem Anliegen des organisierten Sports Rechnung getragen werden, die Schule für qualifiziertes Personal aus dem Sportbereich zu öffnen. Eine erste Auswertung der pädagogischen Konzepte der Ganztagsschulen zeigt zudem, dass die Kooperation mit Sportvereinen zur unterstützenden Gestaltung des Freizeitteils bei 40% aller Kooperationsformen mit außerschulischen Einrichtungen liegt, was auch als Erfolg bezeichnet werden kann.

Verbesserungspotentiale

Im Bereich der FreizeitpädagogInnen mit dem Schwerpunkt Sport wäre die Anstellungsquote im Verhältnis zu sonstigem Betreuungspersonal im Freizeitteil eine sinnvolle Kennzahl. Diesbezüglich wäre mit den Schulerhaltern eine Vereinbarung zu treffen.
-

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen

Es wurden keine weiterführenden Informationen angegeben.