Novelle der Lehrpläne der Handelsakademie, der Zweisprachigen Handelsakademie, des Aufbaulehrganges an Handelsakademien und der Praxis-Handelsschule

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
überwiegend eingetreten: Novelle der Lehrpläne der Handelsakademie, der Zweisprachigen Handelsakademie, des Aufbaulehrganges an Handelsakademien und der Praxis-Handelsschule BMBWF UG 30 2014 2014 0 Verordnung

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Nationale Rechtsgrundlage

SchOG §§ 6, 60, 68a, 74,

Problemdefinition

Die derzeit geltenden Verordnungen über den Lehrplan für die Handelsakademie, der zweisprachigen Handelsakademie (BGBl. II. Nr. 291/2004 vom 19. Juli 2004), den Aufbaulehrgang an Handelsakademien (BGBl. II Nr. 283/2006 vom 28. Juli 2006, Anlage A3) und die Handelsschule (BGBl. II Nr. 315/2003 vom 8. Juli 2003) sind nicht mehr zeitgemäß und entsprechen nicht mehr den Anforderungen, denen sich Absolventinnen und Absolventen in ihrem zukünftigen Berufsleben sowie im Studium (Universität, Fachhochschule) stellen müssen.
Im derzeit gültigen Lehrplan ist der Praxisbezug zwar schon verankert, er soll aber im neuen Lehrplan erweitert und verstärkt werden (Pflichtpraktikum, Miniübungsfirmen etc.).
Der derzeit geltende Lehrplan der Handelsakademie fokussiert noch wenig auf den Aufbau von Kernkompetenzen und Schlüsselqualifikationen, wie der Entrepreneurship Education, die die Absolventinnen und Absolventen einer Handelsakademie befähigen soll, als Unternehmer/in, Arbeitgeber/in, Arbeitnehmer/in sowie Konsument/in aktiv und verantwortungsbewusst zu agieren und damit Wirtschaft und Gesellschaft aktiv mitzugestalten.
Da Lehrpläne Neuerungen und Veränderungen in Wirtschaft, Technik, Gesellschaft und Wissenschaft zu berücksichtigen haben, ist es daher notwendig, neue Schwerpunktsetzungen zu initiieren, um die Anschlussfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen in ihrem zukünftigen Beruf nicht zu gefährden.
In der Handelsschule hat sich die Zusammensetzung der Schüler/innenpopulation in den letzten fünf bis sechs Jahren geändert: die Anzahl der Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien hat sich massiv erhöht, entspricht im städtischen Bereich an die 80 – 90 %. Ebenso hat sich der Anteil an Schüler/innen mit Migrationshintergrund oder mit Defiziten in den Grundfertigkeiten der Unterrichtssprache Deutsch verstärkt. Diese Schülerinnen und Schüler wählen in erster Linie die Handelsschule, wenn sie sich für eine berufsbildende mittlere Schule entscheiden. Diese Eingangsbedingungen der Schülerinnen und Schüler der ersten Handelsschulklassen ziehen massive Auswirkungen auf eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht in allen Unterrichtsgegenständen nach sich. Dazu kommt noch, dass viele Handelsschülerinnen und Handelsschüler in der ersten Klasse nur ihr 9. und damit letztes Schuljahr absolvieren wollen.
Der derzeit geltende Lehrplan fokussiert noch wenig auf den Aufbau von Grundkompetenzen und Schlüsselqualifikationen, der Schülerinnen und Schülern den Zugang und den Anschluss an eine berufliche Zukunft erleichtert (Handlungsorientierung, Bildungsstandards).

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Das Vorhaben steht in Zusammenhang mit der Strategie des Ressorts, Schulversuche abzubauen (Reaktion auf Rechnungshofprüfungen 2013 und 2017, siehe Rechnungshof Schulversuch-Follow-Up Überprüfung, Reihe Bund 2018/49, S. 10). Eine strategische Weiterentwicklung des Schultyps gehört zu den laufenden Aufgaben des Ressorts, siehe auch Regierungsprogramm 2020, S. 292 (Lehrpläne modernisieren, Fokussierung auf Kompetenzvermittlung und klare Unterrichtsziele).


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (vereinfachte Darstellung)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2014 2015 2016 2017 2018 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Aufwendungen gesamt 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Nettoergebnis 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Das Vorhaben wurde so konzipiert, dass sich gegenüber den damals in Geltung befindlichen Lehrplänen der tatsächliche Ressourceneinsatz nicht ändert. Somit konnte die Zuteilung der Lehrpersonalressourcen unverändert belassen werden, weshalb durch das gegenständliche Vorhaben auch tatsächlich keine Mehraufwendungen entstanden sind.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: überwiegend eingetreten.

Die Verordnung über die Lehrpläne für die Handelsakademie, der Zweisprachigen Handelsakademie, des Aufbaulehrganges an Handelsakademien sowie der Praxis-Handelsschule war 2014 notwendig geworden, da sich seit den bis dahin geltenden Lehrplänen, die aus den Jahren 2003 bzw. 2004 datierten, Wirtschaft, Technik und Gesellschaft stark verändert hatten und es notwendig geworden war, neue inhaltliche Schwerpunktsetzungen in Richtung Entrepreneurship Education zu setzen sowie auf den Aufbau von Kernkompetenzen und Schlüsselqualifikationen zu fokussieren, um die Anschlussfähigkeit der Absolvent/innen in ihrem zukünftigen Beruf bzw. ihre Studierfähigkeit nicht zu gefährden. Aus diesem Grunde wurden die Lehrpläne kompetenzorientiert formuliert, der Unterricht dadurch problem- und handlungsorientiert ausgerichtet und Unterrichtsgegenstände zu inhaltlichen Clustern zusammengeführt, um eine enge Kooperation der Lehrkräfte der einzelnen Unterrichtsgegenstände zu forcieren. Wesentlich ist auch der Beitrag zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung – SDGs.
Ein wesentliches Novum der neuen Lehrpläne war die Implementierung von Pflichtpraktika in der Handelsakademie (300 Stunden), im Aufbaulehrgang und in der Handelsschule (150 Stunden), die einen wesentlichen Beitrag zur Praxisorientierung des Unterrichts geleistet hat.
Die Lehrpläne wurden in einem Schulversuch getestet und evaluiert, bevor sie 2014 in Kraft traten. Um eine erfolgreiche Umsetzung der Lehrpläne an allen Schulstandorten zu garantieren, wurden ab Einführung der Schulversuche, an denen bereits mehr als die Hälfte der Schulen teilnahmen, österreichweite Informationsveranstaltungen der Schulleitungen durchgeführt sowie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Lehrkräfte insbesondere der neuen Unterrichtsgegenstände gesetzt sowie intensiv mit den Schulbuchverlagen zusammengearbeitet, um rasch Lehrbücher für die neuen Gegenstände zu haben. Diese Maßnahmen waren ausschlaggebend für eine reibungslose Implementierung der Lehrpläne in ganz Österreich.
Nicht alle Zielwerte der Kennzahlen haben sich zum Evaluierungszeitpunkt bestätigt. Zur Abnahme in der Behaltequote der Handelsakademie im 1. Schuljahr (9. Schulstufe) hat insbesondere die im Evaluierungszeitraum immer heterogener werdende Schülerinnen- und Schülerpopulation an den kaufmännischen Schulen beigetragen, was zum Teil durch neue, innovative Lehr- und Lernformen (COOL – kooperatives offenes Lernen), aber auch durch intensive Beratung und Betreuung der Schülerinnen und Schüler durch Klassenlehrer- und Klassenlehrerinnen-Teams abgeschwächt werden konnte.
Die Behaltequote nach dem 9. Schuljahr hat sich in der Handelsschule stark erhöht, was auf die grundlegende pädagogisch-didaktische sowie curriculare Reform der Handelsschule zurückzuführen ist. Im Detail liegt es an
• der teilweisen Auflösung der Fächerstruktur und daraus folgend einem aufgabenorientierten Ansatz
• der Erhöhung der Praxisorientierung durch Einführung des Pflichtpraktikums
• der Forcierung des Aufbaus von personaler und sozialer Kompetenz durch die Einführung des Fächerbündels „Sozialkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung“ und
• der Einführung von KOEL (dem kompetenzorientierten, eigenverantwortlichen Lernen).
Der Rückgang der positiven Abschlüsse der Reife- und Diplomprüfung in der Handelsakademie ist einerseits der Umstellung dieser Prüfung auf zentrale Klausuren geschuldet, andererseits auf die fehlende Datenlage, da zum Zeitpunkt der Evaluierung die Daten des Prüfungsjahrganges 2018 noch nicht vollständig zur Verfügung stehen.
Der Rückgang der positiven Abschlüsse der Abschlussprüfung in der Handelsschule ist der Einführung der verpflichtenden Abschlussarbeit geschuldet, die eine große Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler darstellt. Maßnahmen, um die anfänglichen (nun vorliegenden) negativen Effekte abzufedern, sind bereits eingeleitet. Zudem ist es auch die fehlende Datenlage, da zum Zeitpunkt der Evaluierung die Daten des Prüfungsjahrganges 2018 noch nicht vollständig zur Verfügung stehen.

Verbesserungspotentiale

Auf Grund der sich rasch ändernden Arbeitsmarktanforderungen und der fortschreitenden Digitalisierung, ist es notwendig, die Lehrpläne laufend weiterzuentwickeln und neue Profilbildungen mit Schwerpunktsetzungen zu schaffen, um einem Fachkräftemangel möglichst frühzeitig entgegenzuwirken.
Im Bereich der Handelsschule wurde die Heranführung und Unterstützung im Bereich der Vorbereitung für die Erstellung der Abschlussarbeit verbessert.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen