Lehrberufspaket 2015

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
überwiegend eingetreten: Lehrberufspaket 2015 BMDW UG 40 2015 2015 -4.383 Verordnung

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Nationale Rechtsgrundlage

Berufsausbildungsgesetz (BAG)

Problemdefinition

Aufgrund der Weiterentwicklung von Technologie und Arbeitsmethoden ist eine regelmäßige Modernisierung der Berufsbilder für die Lehrlingsausbildung erforderlich. Anforderungen an neue Berufsbilder werden von den betroffenen Branchen festgestellt; die Ausarbeitung neuer Berufsbilder erfolgt gemeinsam mit Fachexperten und Fachexpertinnen der Sozialpartner und mit wissenschaftlicher Begleitung.
Weiters entstehen durch neue Berufsbereiche neue Ausbildungserfordernisse:
- Für den Medizinproduktehandel mit rund 2.700 Handelsbetrieben fehlt derzeit eine geeignete Ausbildung.
- In den Lehrberufen Labortechnik (bisher Chemielabortechnik) und Mechatronik wurden für die Bereiche Lackerzeugung, Biochemie, Alternative Antriebstechnik, Medizingerätetechnik neue und spezifischere Ausbildungsanforderungen identifiziert.
- Im Bereich der Hotellerie fehlt eine Ausbildungsschiene, insb. für die Stadthotellerie, für die das Berufsbild für den Lehrberuf Hotel- und Gastgewerbeassistent/-in nicht passt. Dazu wurde der Lehrberuf Hotelkaufmann/-frau entwickelt.
- Es besteht ein Bedarf an doppelt qualifizierten Fachkräften in den Berufsfeldern Hafner/in sowie Platten- und Fliesenleger/in. Dieser kann durch eine neue Ausbildungsordnung für Ofenbau- und Verlegetechnik besser gedeckt werden.
- Im Bereich Zimmerei/Zimmereitechnik fehlt derzeit eine Ausbildungsschiene für komplexere technische Tätigkeiten.
- Der Ausbildungsversuch Hufschmied läuft aus; die durchgeführte Evaluierung empfiehlt eine Überleitung in einen Regellehrberuf.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Das Arbeitsprogramm der österreichischen Bundesregierung für die Jahre 2013 bis 2018 sah ua unter dem Titel „Beschäftigung“ die Schwerpunkte „Aufwertung der Lehre“ (Seite 9) vor, um mit einem umfassenden Maßnahmenpaket die Lehrlingsausbildung auch in den nächsten Jahrzehnten attraktiv und erfolgreich zu gestalten.
Die Lehrlingsausbildung in Österreich ist allen Personen über 15 Jahren zugänglich. Weiters ist die Lehrlingsausbildung insb. durch die direkte Arbeitsmarkteinmündung ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Sicherung des Fachkräftebedarfs und trägt zur im internationalen Vergleich relativ niedrigen Jugendarbeitslosigkeit bei. Um die Lehrausbildung zukunftsfit zu gestalten ist daher die laufende Überarbeitung der Lehrberufslandschaft notwendig.


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2015 2016 2017 2018 2019 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 0 0 0 84 78 -6 287 265 -22 539 579 40 1.064 1.250 186 1.974 2.172 198
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 61 61 0 186 186 0 317 317 0 630 630 0 1.071 1.017 -54 2.265 2.211 -54
Aufwendungen gesamt 61 61 0 270 264 -6 604 582 -22 1.169 1.209 40 2.135 2.267 132 4.239 4.383 144
Nettoergebnis -61 -61 -270 -264 -604 -582 -1.169 -1.209 -2.135 -2.267 -4.239 -4.383

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Personalkosten für den Bund: Der Bund refundiert die Hälfte (50%) der gesamten Personalkosten in den Berufsschulen an die Länder. Die Höhe der Ausgaben für Lehrpersonen an Berufsschulen ist von vielen Faktoren abhängig, insbesondere auch von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die finanziellen Auswirkungen der neu eingeführten Lehrpläne können daher nicht direkt gemessen, sondern nur indirekt bestimmt werden. Die Zahl der Berufsschulklassen ist zwischen den Schuljahren 2014/15 und 2018/19 insgesamt um 3,9% zurückgegangen. Veränderungen bei den Berufsschulklassen ergeben sich insbesondere durch neu eingeführte Berufe/Module. Demzufolge sind nur die mit dem Lehrberufspaket 2015 neu eingeführten Lehrberufe (Hufschmied, Medizinproduktekaufmann/-frau, Ofen- und Verlegetechnik sowie Zimmereitechnik) sowie die neuen Haupt- und Spezialmodule (Mechatronik und Labortechnik) und die längere Lehrzeit im Lehrberuf Reinigungstechnik zu berücksichtigen. Da es durch die demographische Entwicklung einen allgemeinen Rückgang der Lehrlingszahlen von rund 5% im Beobachtungszeitraum zwischen 2015 und 2019 (jew. zum Stichtag 31.12.) gegeben hat und somit der zusätzliche Bedarf an Berufsschulklassen kompensiert wurde, ergeben sich daher keine zusätzlichen Auswirkungen auf die Personalkosten in den Berufsschulen durch das Lehrberufspaket 2015. Sachkosten werden durch die Länder finanziert, wobei aufgrund der Möglichkeit von Umstrukturierungen bzw. laufend notwendiger Anschaffungen im Berufsschulbetrieb, Kosten, die speziell durch das Lehrberufspaket 2015 entstanden sind, nicht abgrenzbar sind. Transferaufwand: Gemäß §§ 19c Abs. 1 iVm 19c Abs. 2 Berufsausbildungsgesetz (BAG) kann die Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort im Einvernehmen mit der Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend Richtlinien zur Festlegung von Beihilfen und ergänzenden Unterstützungsstrukturen für die betriebliche Ausbildung von Lehrlingen erlassen. Die Finanzierung erfolgt gemäß § 13e Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz (IESG) zur Gänze aus Mitteln, die aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) zur Verfügung gestellt werden. Sämtliche finanzielle Auswirkungen betreffen die UG 20. Budgetäre Mittel der UG 40 sind nicht betroffen. Demnach wird aus dem IEF dem Bund jährlich zum Zweck der besonderen Förderung der Ausbildung und Beschäftigung Jugendlicher Mittel im Ausmaß der bei einem Zuschlag in der Höhe von 0,2% erzielten jährlichen Einnahmen (entspricht Bruttolohnsumme) aus den Zuschlägen zur Verfügung gestellt. Diese Mittel können zur Gewährung von Beihilfen gemäß § 19c BAG, BGBl. Nr. 142/1969 i.d.g.F., durch die Lehrlingsstellen (§ 19 BAG) verwendet werden. Bezüglich der Darstellung der zusätzlichen Kosten durch das Lehrberufspaket 2015 sind nur die neu eingeführten Lehrberufe (Hufschmied, Medizinproduktekaufmann/-frau, Ofen- und Verlegetechnik sowie Zimmereitechnik) sowie die neuen Haupt- und Spezialmodule (Mechatronik und Labortechnik) und die längere Lehrzeit im Lehrberuf Reinigungstechnik relevant (siehe auch WFA). Da die betriebliche Lehrstellenförderung insb. in den Jahren 2014, 2015 und 2017 überarbeitet wurde, hat sich das Fördervolumen je Lehrling (ausbezahltes Gesamtvolumen/Anzahl der Lehrlinge) zwischen 2015 und 2019 um rund 18% erhöht. Die Lehrlingszahlen in den relevanten Lehrberufen/Modulen (siehe oben) entwickelten sich weitgehend so, wie in der WFA erwartet wurde. Bezogen auf den Transferaufwand liegen daher in den Jahren 2018 und 2019, aufgrund der Steigerung des Fördervolumens pro Lehrling, die Ist-Kosten über den Plan-Kosten.


Wirkungsdimensionen

Es wurden keine wesentlichen Auswirkungen in der WFA abgeschätzt bzw. in der Evaluierung festgestellt.

Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: überwiegend eingetreten.

Ein Schlüsselelement der dualen Ausbildung ist die unmittelbare Einmündung der Ausbildung in den Arbeitsmarkt. Die insgesamt günstige und unmittelbare Integration der Lehrabsolvent/innen in den Arbeitsmarkt zeigt sich insbesondere im Vergleich mit anderen (Aus-)Bildungsabschlüssen. Der Anteil 2019 von 76,9% aller Lehrabsolvent/innen des Schuljahres 2016/17, die 18 Monate nach Abschluss erwerbstätig sind (siehe Kennzahl 20), war mit Abstand der höchste (vgl. AHS 7,1%, BMS 44,8%, BHS 46,1%, Hochschule 45,3%). Um dies weiterhin gewährleisten zu können, müssen einzelne Ausbildungsordnungen (inkl. Berufsbilder, etc.) laufend erneuert bzw. neue Lehrberufe geschaffen werden. Durch die laufenden Modernisierungsprozesse wird sichergestellt, dass sowohl aus sozialer als auch arbeitsmarkt- und standortpolitischer Sicht die hohe Qualität und insbesondere Aktualität der Lehrlingsausbildung gewährleistet bleibt und auf diese Weise ein wichtiger Beitrag gegen den Fachkräftemangel geleistet wird.
Insbesondere aufgrund der Weiterentwicklung von Technologie und Arbeitsmethoden ist eine regelmäßige Modernisierung der Berufsbilder für die Lehrlingsausbildung erforderlich. Anforderungen an neue Berufsbilder werden von den betroffenen Branchen festgestellt; die Ausarbeitung neuer Berufsbilder erfolgt gemeinsam mit Fachexperten und Fachexpertinnen der Sozialpartner und mit wissenschaftlicher Begleitung. Damit wird die Praxisnähe und die damit verbundene unmittelbare Arbeitsmarkteinmündung der Lehrausbildung gewährleistet.
Da bei einigen im Rahmen des Lehrberufspakets 2015 umgesetzten neu eingeführten bzw. modernisierten Lehrberufen die Auswirkungen auf die Zahl der Lehrlinge (zum Stichtag 31.12.2019) zu optimistisch angenommen wurden (wie zB bei den neuen Lehrberufen "Hufschmied/-in" oder "Medizinproduktekaufmann/-frau"), bei anderen jedoch die Lehrlingszahlen die Erwartungen übertroffen haben (wie zB im Lehrberuf "Ofenbau- und Verlegetechnik" bzw. dem modernisierten Lehrberuf "Mechatronik"), kann - insbesondere auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung (sinkende Zahl der 15-Jährigen seit 2007) - das Gesamtvorhaben „Lehrberufspaket 2015“ als zumindest "überwiegend erreicht" betrachtet werden. Die gesetzten Maßnahmen brachten durchwegs positive Entwicklungen, sind für die Weiterentwicklung des dualen Systems essentiell und stärken den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig.

Verbesserungspotentiale

Im Zuge der Durchführung und Evaluierung des Vorhabens sind keine Verbesserungspotentiale ersichtlich geworden.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen