Deutsch und Alphabetisierung AMS Wien (3. Wiederbeauftragung)

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
teilweise eingetreten: Aufstockung 3. Wiederbeauftragung Deutsch und Alphabetisierung AMS Wien BMA UG 20 2020 2021 -44.636 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Problemdefinition

Der hohe Anteil an vorgemerkten Personen mit Migrationshintergrund, die Region Wien als größter Ballungsraum in Österreich sowie die demographische Entwicklung sprechen weiterhin für ein umfassendes Angebot an Deutschkursen durch das AMS Wien.
Mit Februar 2020 waren von insgesamt 119.826 vorgemerkten Personen 53.075 AusländerInnen (44,2 %), 11.859 Asylberechtigte (9,9 %) sowie 76.326 Personen mit Migrationshintergrund (63,7 %) in Wien arbeitslos vorgemerkt.

Sieht man sich die aktuellen Sprachkenntnisse der vorgemerkten MigrantInnen an, so verfügen 25 % über ein C-Niveau, 41 % über ein B-Niveau und 34 % nur über A-Niveaukenntnisse.

Bereits vor der aktuellen Einstellung des face-to-face Kursbetriebs im Zusammenhang mit der Coronakrise war – auch aufgrund der vorhandenen budgetären Reserven – geplant, den RGSen mehr Deutschkursplätze zur Verfügung zu stellen. Die bisher verfügbaren Ressourcen waren ständig ausgebucht und geringe bzw. fehlende Deutschkenntnisse der Wiener Arbeitslosen waren und sind sowohl ein Vermittlungs- als auch ein Ausbildungshemmnis.
Basisbildung in Form von Deutschkursen ist notwendig, um Menschen sinnvoll und nachhaltig am Arbeitsmarkt integrieren zu können. Die Problemstellung wird sich insofern noch verschärfen, als es jetzt für längere Zeit keine Neueinstiege in Deutschkurse geben kann und die laufenden Kurse ausschließlich mittels Telelearning abgewickelt werden müssen. Insofern und auch aufgrund der stark steigenden Arbeitslosigkeit rechnen wir in der Folge mit einem deutlichen „Rückstau“ an potenziellen KursteilnehmerInnen für die Zeit nach der Aufhebung der aktuellen Restriktionen.

Geplante Aufstockungslaufzeit: 15.6.2020 – 7.5.2021

Aufgrund der derzeitigen COVID-19 Situation wird vorerst von einem Ziehen der Aufstockung frühestens ab Anfang Juni 2020 ausgegangen.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Das Vorhaben war ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument zur Unterstützung der Erreichung der Zielvorgaben im Arbeitsmarktservice (AMS) Österrreich. Die Intention der arbeitsmarktpolitischen Ziele im AMS ist es, zu erreichende Wirkungen und Einflüsse des Arbeitsmarktservice am Arbeitsmarkt auf Landesebene verbindlich zu vereinbaren. Die strategischen Ausrichtungen, die für das AMS österreichweit in den nächsten Jahren von Relevanz sind, sind im sogenannten längerfristigen Plan beschrieben.
Der Längerfristige Plan orientiert sich im Sinne der Zielhierarchie (EU – Bundesregierung – AMS) am strategischen Dokument EUROPA 2020, dem Nationalen Reformprogramm für Wachstum und Beschäftigung auf Basis der Leitlinien im Rahmen der beschäftigungspolitischen Ziele der EU und den Zielvorgaben des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz an das AMS aus dem Jahr 2010.

Der Erwerb von deutschen Sprachkenntnisse ist die Grundvoraussetzung, um arbeitslose Personen mit Migrationshintergrund erfolgreich auf den österreichischen Arbeitsmarkt vermitteln zu können.


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2020 2021 2022 2023 2024 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 44.636 44.636 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 44.636 44.636 0
Aufwendungen gesamt 44.636 44.636 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 44.636 44.636 0
Nettoergebnis -44.636 -44.636 0 0 0 0 0 0 0 0 -44.636 -44.636

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Die ggst. Projekte endeten mit 24.9.2021. Die beauftragten Kursinstitute haben gemäß den AMS-Richtlinien bis zu 3 Monate nach Projektende Zeit, die Endabrechnung zu legen. Danach führt das AMS binnen weiterer 3 Monate die Endabrechnung durch. Es liegt somit für die Projekte noch keine Endsumme vor. Es zeichnet sich jedoch ab, dass der veranschlagte Betrag jedenfalls eingehalten wurde.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: teilweise eingetreten.

Ausreichende Deutschsprachkenntnisse sind unabdingbare Voraussetzung und Schlüssel vor migrantische Personen, um den Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt zu schaffen. Der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund bei der arbeitslos vorgemerkten Personen in Wien hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Waren es 2014 noch rund 55 % (58.321 von 104.379), so beträgt die Prozentsatz 2021 bereits 65 % (82.534 von 126.665) . 31,1 % (34,390) der vorgemerkten Migrant_innen verfügen maximal über Sprachkenntnisse im A-Niveau. Dies schränkt die Chance auf eine rasche Arbeitsmarktintegration massiv ein.
Weiters sind 41,2 % (45,565) der Migrant_innen im Deutschniveau "B", 24,4 % (27.010) im Niveau "C" und 3,3 % (3.601) verfügen über gar keine Deutschkenntnisse.

Das AMS Wien fördert daher seit vielen Jahren im großen Ausmaß Deutschkurse für diese Zielgruppe. Diese Maßnahmen sind auf das jeweilige Bildungsniveau der Teilnehmenden abgestimmt. Bei dieser 3. Wiederbeauftragung wurden fünf Projekte dem Förderausschuss des Verwaltungsrates vorgelegt: Deutschkurs für Personen mit Pflichtschule (4 Pakete) sowie Deutschkurs für Personen mit mittlerer Ausbildung und Lehrabschluss.
Eine weiteres Paket (Deutschkurs für Maturant_innen und Akademiker_innen) hat den Schwellenwert für die Vorlage nicht erfüllt.

Die 3. Wiederbeauftragung dieser Projekte war sehr stark von den Auswirkungen der Pandemie beeinflusst. Doch Lockdowns konnten ein großer Teil der Kurse nicht in dem Ausmaß stattfinden, wie geplant. Oftmals musste das Training auf Distance Learning umgestellt werden, was bei der ggst. Zielgruppe zu großen Problemen führte. Einerseits waren die technischen Voraussetzungen nicht gegeben, andererseits hat auch das familiäre Umfeld ein "ruhiges Lernen" zuhause nicht ermöglicht.

Daher konnten die vorgegeben Ziele nicht erreicht werden. Auch die Arbeitsmarktintegration nach den Kursen war aufgrund der pandemiebedingten Arbeitsmarktlage nicht im dem Ausmaß möglich, wie geplant. Ein Großteil der Wiener Betrieb befand sich in Kurzarbeit und verzichtete daher auf zusätzliche Personalaufnahmen.

Die Ergebnisse des Arbeitsmarkterfolgs im Detail:
Deutschkurs_
Mittlere Ausbildung und Lehrabschluss: 45,1 % (davon Beschäftigung 20,4 %, Qualifizierung 24.7 %)
Pflichtschule NORD: 39,5 % (davon Beschäftigung 19,6 %, Qualifizierung 19,9 %)
Pflichtschule OST: 35,2 % (davon Beschäftigung 18,6 %, Qualifizierung 16,6 %)
Pflichtschule SÜD: 35,8 % (davon Beschäftigung 20,9 %, Qualifizierung 14,9 %)
Pflichtschule WEST: 39,4 % (davon Beschäftigung 18,2 %, Qualifizierung 21,2 %)
GESAMT: 40,5 % (davon Beschäftigung 21,0 %, Qualifizierung 19,6 %)

In der 3. Wiederbeauftragung gab es während der Durchführung zwei Aufstockungen und zwei Laufzeitstreckungen, daher sind die Gesamtzahlen nun:
Teilnahmen Projektzeitraum 3.2.2020 - 24.9.2021:
- SOLL-Teilnahmen inklusive 2. Aufstockung und 2. Laufzeitstreckung (MSLAP, 4x PS): 38.478
- IST-Teilnahmen inklusive 2. Aufstockung und 2. Laufzeitstreckung: 38.493

Die Vorgaben zu den Prüfungsantritten konnten nicht erreicht werden. In den Kursen, die zeitlich in den ersten Lockdown gerieten, konnten keine abschließenden Prüfungen mehr absolviert werden.
Es mussten teilweise Prüfungen ausgesetzt bzw. mehrmals verschoben werden: ab Mitte November 2020 wurde die Ablegung der B1-ÖIF-Integrationsprüfung durch den ÖIF coronabedingt vorerst ausgesetzt und die Prüfungen mehrmals verschoben. Im Dezember 2020 fanden die Prüfungen wieder statt und wurden jedoch von Jänner bis Februar 2021 erneut storniert.

Die durchschnittliche Gruppengröße belief sich auf 11 Personen (bis maximal 15 Personen). Die Kurse hatten 15 Wochenstunden, die Kursdauer betrug 14 Wochen, ggf. plus 4 Wochen Zusatzförderung.
Inhalte warten: Deutschkurse: A1, A2, B1, B2 nach GERS und jeweiliges ÖIF-Rahmencurriculum für Deutschkurse mit Werte- und Orientierungswissen; Zertifikate: ÖSD-Prüfung (A1, B2) sowie Integrationsprüfung (A2 ÖSD und B1 ÖIF).

Die vorgemerkten Personen werden nach einem Einstiegstest je nach vorhandenem Bildungsniveau in Gruppen unterrichtet.
- Deutsch für Personen mit abgeschlossener mittlerer Schule oder Lehrabschluss (MSLAP). Angebot Sprachniveau A1 bis B2.
- 4 Projekte Deutsch für Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (PS; aufgrund der Größenordnung aufgeteilt in Nord, Süd, West und Ost mit jeweils einer entsprechenden Zuordnung zu Regionalen Geschäftsstellen des AMS Wien). Angebot Alphabetisierung und Sprachkurse A1 bis B2,

Bedarfsorientierte Zusatzförderung:
Training zur Wiederholung und Festigung des bisher Gelernten, Fachvokabular-Kurse, bedarfsorientierte zusätzliche Unterstützung.
Ziel war es, einzelne Teilnehmer_innen oder Gruppen zusätzlich zu fördern, um einen nachhaltigen Lernerfolg zu sichern.

Verbesserungspotentiale

Seit 2021 werden Deutschkurse für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte nicht mehr vom AMS, sondern durch den ÖIF beauftragt. Das AMS Wien führt weiterhin die Deutschkurse für EWR-Bürger_innen und Drittstaatsangehörige durch.

Es erfolgte nach dieser Beauftragung eine Neuausschreibung. Dabei wurden folgende Änderungen durchgeführt:
- Kurse werden in Standard (14 Wochen) und Plus (21 Wochen) angeboten, je nachdem wie groß der Unterstützungsbedarf ist
- Lernstudio wird nicht mehr bedarfsorientiert angeboten, sondern ist verpflichtend 2 Maßnahmenstunden pro Woche begleitend zu nutzen. Es wird verstärkt auf einen motivierenden Zugang zum Deutschlernen gesetzt, Fokus auch auf das Erlernen des Umgangs mit lernunterstützenden Angeboten sowie verstärkte Bewerbungsaktivitäten

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen

Es wurden keine weiterführenden Informationen angegeben.