Berufsausbildungszentrum des BFI Wien (BAZ) Budget 2020

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
teilweise eingetreten: Berufsausbildungszentrum des BFI Wien (BAZ) Budget 2020 BMA UG 20 2019 2020 -19.454 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Problemdefinition

Seit Jahren sind Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung von Arbeitslosigkeit besonders stark betroffen. 2018 hatten 46,4 % aller Arbeitslosen in Wien maximal Pflichtschulabschluss, die Arbeitslosenquote von Personen mit maximal Pflichtschulabschluss lag bei über 30 %,.
Wien war auch im Jahr 2018 gekennzeichnet von einem anhaltenden Bevölkerungswachstum. In den letzten 10 Jahren ist die Bevölkerung Wiens um über 217.555 Personen (+ 11,5 %) gewachsen. Zum Jahresbeginn 2019 lag die Einwohnerzahl bei 1.897.491. Den jüngsten Prognosen zu Folge wird Wien im Jahr 2025 zwei Millionen EinwohnerInnen haben.
Die Prognosen für den Standort Wien gehen davon aus, dass auch 2019 und auch weiterhin vor allem Bereiche der Wiener Wirtschaft wachsen werden, in denen Personen mit Lehrabschluss nachgefragt werden. Für Personen ohne Berufsausbildung wird es keine zunehmenden Beschäftigungschancen geben, im Gegenteil, es soll bis 2023 um 3.700 weniger Arbeitsplätze geben, für die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung erforderlich ist.
Trends wie die Digitalisierung und Globalisierung werden die Arbeitswelt, Berufsbilder, Tätigkeiten und Qualifikationserfordernisse verändern. Wenn es zutrifft, dass Arbeitsplätze mit Routinetätigkeiten zunehmend wegfallen werden, wird das Personen mit geringen Qualifikationen stärker berühren als gut qualifizierte ArbeitnehmerInnen.

Somit sind Personen, die über keine Berufsausbildung verfügen, auf dem Wiener Arbeitsmarkt nur sehr schwer vermittelbar. Das Jobangebot für diese Zielgruppe ist sehr gering, die Beschäftigungen meist nur von kurzer Dauer. Mit Stand Ende September 2019 sind in Wien 134.664 Personen arbeitslos vorgemerkt, davon verfügen 48,53 % maximal über einen Pflichtschulabschluss. Bei Jugendlichen Personen zwischen 18 und 25 Jahre sind dies 20.099 Personen, wobei 62,2 % keine höhere Ausbildung erfolgreich absolviert haben.
Mit einem FacharbeiterInnen-Abschluss sinkt das Arbeitslosigkeitsrisiko signifikant. Durch die Qualifizierungen im gegenständlichen Ausbildungszentrum kann die Arbeitslosigkeit für diesen Personenkreis reduziert werden, so dass das Beschäftigungsniveau steigt. Die Arbeitslosenversicherung kann hierdurch entlastet werden, die öffentliche Hand hat gesteigerte Einnahmen (Steuereinnahmen/Sozialversicherungsbeiträge).

Gerade für Jugendliche, die nicht sofort nach der Schule eine Lehrstelle am 1. Lehrstellenmarkt finden, muss das AMS Wien rasch einen adäquaten Ersatz anbieten können, um zu vermeiden, dass die Jugendlichen ohne Ausbildung bleiben und somit am Arbeitsmarkt, aber auch grundsätzlich in der Gesellschaft, massiv benachteiligt sind. Längere Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen wirkt sich oftmals negativ auf ihre persönliche Entwicklung aus, denn die Betroffenen haben zeitlebens geringere Arbeitsplatzchancen und tragen das Risiko niedrigerer Einkommen, wie zahlreiche internationale Studien belegen. Zum Stichtag Oktober 2018 waren in Wien 3.947 Jugendliche lernstellensuchend beim AMS vorgemerkt.

Das AMS Wien muss daher Maßnahmen setzen, um Personen beim Erlangen von anerkannten Ausbildungen zu unterstützen und somit ihre Arbeitsmarktchancen zu erhöhen. Das ggst. Projekt bietet in unterschiedlichen Bereichen sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene die Möglichkeit zur Erlangung eines Lehrabschlusses, Berufsorientierung für Jugendliche sowie allgemeine berufliche Weiterbildung.

Das Wiener Landesdirektorium hat in seiner Sitzung am 23 Oktober 2019 dem Vorhaben zugestimmt.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Das Vorhaben war ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument zur Unterstützung der Erreichung der Zielvorgaben im Arbeitsmarktservice (AMS) Österrreich. Die Intention der arbeitsmarktpolitischen Ziele im AMS ist es, zu erreichende Wirkungen und Einflüsse des Arbeitsmarktservice am Arbeitsmarkt auf Landesebene verbindlich zu vereinbaren. Die strategischen Ausrichtungen, die für das AMS österreichweit in den nächsten Jahren von Relevanz sind, sind im sogenannten längerfristigen Plan beschrieben.
Der Längerfristige Plan orientiert sich im Sinne der Zielhierarchie (EU – Bundesregierung – AMS) am strategischen Dokument EUROPA 2020, dem Nationalen Reformprogramm für Wachstum und Beschäftigung auf Basis der Leitlinien im Rahmen der beschäftigungspolitischen Ziele der EU und den Zielvorgaben des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz an das AMS aus dem Jahr 2010.

- Ausbildungsgarantie: Die Sicherung der beruflichen Erstausbildung und Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Die ggst. Maßnahme unterstützt Jugendliche und Erwachsene beim Erlangen beruflicher und fachlicher Qualifikationen. Für 223 Jugendliche wurde der Eintritt in eine überbetriebliche Lehrausbildung in den Berufsobergruppen Bau, Architektur und Gebäudetechnik ermöglicht; dazu kamen über 298 Eintritte in Facharbeiter_innen-Intensivausbildungen für Erwachsene.

Die überbetriebliche Lehrausbildung leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen (UN). Hier vor allem zu den Zielen #4 „Hochwertigen Bildung“ und #8 „Menschwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“. In der aktuellen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wird bspw. das Ziel festgelegt, die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welchen durch berufliche Qualifikationen eine menschenwürdige Arbeit ermöglicht wird, wesentlich zu erhöhen.
Schließlich ist auch die Österreichische Jugendstrategie eng verknüpft mit den SDG und den Europäischen Jugendzielen der EU-Jugendstrategie 2019-2027. Die überbetriebliche Lehrausbildung nimmt im Rahmen dieser nationalen Strategie eine zentrale Rolle im Handlungsfeld „Bildung und Beschäftigung“ ein.


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2019 2020 2021 2022 2023 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 0 0 0 25.745 19.454 -6.291 0 0 0 0 0 0 0 0 0 25.745 19.454 -6.291
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Aufwendungen gesamt 0 0 0 25.745 19.454 -6.291 0 0 0 0 0 0 0 0 0 25.745 19.454 -6.291
Nettoergebnis 0 0 -25.745 -19.454 0 0 0 0 0 0 -25.745 -19.454

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Die Abrechnung des Berufsausbildungszentrums erfolgt über eine Echtkostenabrechnung. Es wurde nicht der gesamte genehmigte Förderbetrag ausgeschöpft.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: teilweise eingetreten.

Das Berufsausbildungszentrum des BFI (BAZ) ist ein wichtiger Förderpartner im Bereich der beruflichen Ausbildung sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene. Mit seiner "Jugendwerkstatt", eine Berufsorientierung für Jugendliche in der praktisch Berufe erprobt werden können, sowie mit der überbetrieblichen Lehrausbildung in den Berufsobergruppen "Bau, Architektur und Gebäudetechnik" mit 510 Ausbildungsplätzen, ist das BAZ ein wichtiger Bestandteil der Wiener Ausbildungsgarantie für Jugendliche.
Darüberhinaus führt das BAZ unterschiedliche FacharbeiterInnen-Intensivausbildungen im Bereich Metall/Installation/Elektro durch. Berufsbereiche, in denen in Österreich FacharbeiterInnenbedarf besteht.

Die COVID-19-Pandemie hat sich umfassend auf die operative Umsetzung ausgewirkt: grundsätzlich konnte während des COVID-19-bedingten Lockdowns nur der theoretische Teil der Ausbildungsinhalte vermittelt werden. Eine praktische Wissensvermittlung über Distance-Learning war in diesem Fall nicht gegeben. In der Regel gilt im BAZ ein Verhältnis Theorie zu Praxis von 20 zu 80. Zum Teil wurden theoretische Inhalte (auch künftiger) Module vorgezogen, zum Teil wurden theoretische Inhalte bestehender Module vertieft. Grundsätzlich funktionierte die Umstellung auf Distance Learning sehr gut. Die Disziplin der TeilnehmerInnen war hoch und es gelang gut, die Theorieinhalte zu vermitteln. Dennoch ist dies für ein Ausbildungszentrum mit technisch-handwerklichen Ausbildungen nur die zweitbeste Lösung.
Seit Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts liegt der Schwerpunkt nun darauf, die praktischen Fertigkeiten zu unterrichten und nachzuholen. Wo immer möglich, findet vollwertiger Präsenzunterricht statt. Dort wo die räumlichen Gegebenheiten und Gruppengrößen dies nicht zulassen, gibt es Blended Learning. Das bedeutet, es gibt praktischen Unterricht vor Ort im BAZ und ein Erarbeiten wie auch Wiederholen der theoretischen Grundlagen zu Hause.
Von Mitte März bis Anfang Juni konnten keine Einstiege stattfinden.

Die Wiener Arbeitsmarkt war 2020 sehr stark von den COVID-Situation beeinflusst. Fast 57.000 Kurzarbeitsanträge wurden vom AMS Wien in diesem Jahr bearbeitet. Personalaufnahmen fanden nur noch im geringen Ausmaß statt. Dies hatte maßgebliche Auswirkung auf den Arbeitsmarkterfolg der AMS geförderte Projekte; so auch hier im BAZ. Dies erklärt, warum die für 2020 vorgegebenen Ziele nur als teilweise eingetreten bezeichnet werden können.

Die Entwicklung der Teilnahmen in der Jugendwerkstatt waren 2020 pandemiebedingt leicht rückläufig (2018: 1.990, 2019: 2.168, 2020: 1.907). Die Teilnahmen an der ÜBA sind relativ konstant (2018: 1.120, 2019: 1.204, 2020: 1.183). Sieht man sich die restlichen Teilnahmen im Erwachsenenbereich an, wird schnell klar, dass einige Einstiege wegen Corona nicht stattgefunden haben (2018: 2.847, 2019: 2.866, 2020: 2.211).
Der Mädchenanteil in der ÜBA ist von 2018 bis 2020 angestiegen (2018: 7,2 %, 2019: 10,5 %, 2020: 10,7 %). Diese positive Entwicklung zeigt sich auch im Erwachsenenbereich (2018: 26,1 %, 2019: 31,0 %, 2020: 30,3 %). Ähnlich stellt es sich auch in der Jugendwerkstatt dar (2018: 36,3 %, 2019: 39,5 %, 2020: 38, 3%).

Verbesserungspotentiale

In der Folgebeauftragung 2021 wurden folgende Anpassungen vorgenommen:

-> Platzangebot
• Die Plätze im Bereich der Jugendlehrausbildungen (minus 10 Plätze) sowie der Erwachsenen (plus 10 Plätze) bleiben die Plätze nahezu konstant.
• Das Angebot für Frauen (Teilzeit Mechatronik, TZ Bautechnische Assistenz, Technik-Allrounderin, Labortechnik Biochemie) bleibt weiterhin in der bisherigen Form bestehen.
• Facharbeiter_innen-Intensivausbildung Metall nimmt um 14 Plätze zu, FIA Elektro nimmt um 4 Plätze ab. Die Platzanzahl in der Grundausbildung bleibt unverändert bestehen.
• Während die Lernwerkstatt konstant bleibt, steigt die Jugendwerkstatt von 300 Plätzen auf 360 Plätze, weil 6 neue Werkstätten hinzugekommen sind.

-> Zeitgemäße Pädagogik, Didaktik und Digitalisierung
• Die Microlearning-Plattform Knowledge Fox https://knowledgefox.net/ wird in den Ausbildungsbereichen Metall, Elektro und im Jugendbereich weiterhin umfassend eingesetzt.
• eduScrum wurde im Jugendbereich ausgerollt. Seit 2018 gab es in nahezu allen Jugendbereichen eduScrum Projekte.
• Die Einsatz von Moodle im BAZ wird immer umfassender und schließt nun bereits die Bereiche Elektrotechnik, Metalltechnik, Labortechnik Biochemie sowie die Jugendwerkstatt mit ein.
• Videos zu den Ausbildungen sowie zu FIT finden sich auf der Webseite www.baz.at. Das Thema Video behält einen hohen Stellenwert im BAZ, weil es damit gelingt Anspruchsgruppen sowohl inhaltlich als auch emotional gut anzusprechen. Es werden auch in Zukunft zu relevanten Themen Videos erstellt werden und über die entsprechenden Kanäle (Website, Youtube, Facebook etc.) veröffentlicht.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen