Überbetriebliche Lehrausbildung - AMS Wien - 2020/2021

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
überwiegend eingetreten: Überbetriebliche Berufsausbildungen nach dem Berufsausbildungsgesetz gem. § 30b und § 8b, sieben Einzelvorhaben – adaptierte Planung für 2020/2021 BMA UG 20 2020 2020 -68.031 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Problemdefinition

Die Erstvorlage im Förderausschuss der Projekte für die überbetriebliche Berufsausbildung (ÜBA) für das Ausbildungsjahr 2020/21 erfolgte am 15.4.2020. Durch die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie musste eine Neuplanung der notwendigen Angebote vorgenommen werden.

Die Anzahl der vorgemerkten Lehrstellensuchenden ist bedingt durch COVID-19 im Vergleichsmonat Mai in Wien um 44,3 % auf 5.645 gestiegen, was einem Zuwachs in absoluten Zahlen von 1.711 lehrstellensuchend vorgemerkten Jugendlichen entspricht.

Im Vergleichszeitraum Mai 2019 zu Mai 2020 ist die Anzahl der offenen Lehrstellen in Wien um 23,3 % bzw. in absoluten Zahlen um 481 gesunken.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie ist die Festlegung des endgültigen Mengengerüsts insgesamt schwer abzuschätzen und daher sind die Zahlen noch nicht endgültig quantifizierbar. Es werden branchenspezifisch unterschiedliche Entwicklungen erwartet, die sich allerdings derzeit auch noch nicht exakt prognostizieren lassen.
Die vorgelegte Planung berücksichtigt jene zusätzlichen Angebote, die bereits jetzt rasch fixiert werden konnten.
Das AMS (Arbeitsmarktservice) Wien geht allerdings davon aus, dass noch zusätzliche Angebote erforderlich sein werden bzw. zusätzliche TeilnehmerInnen für die Verlängerungen vorgesehen werden müssen.
Eine genauere Abschätzung der Quantitäten wird frühestens im Herbst 2020 erfolgen können. Deshalb wurde eine Aufstockungsoption im Ausmaß von 25 % vorgesehen, um diese zu erwartenden Zusatzbedarfe flexibel umsetzen zu können. Die Beträge der Aufstockung sind Grundlage für die finanziellen Daten in dieser WFA.

Das AMS Wien bot bisher jährlich für rund 4.500 Jugendliche Ausbildungen gem. §30b und §8b BAG (Berufsausbildungsgesetz) an.
Unterschieden wird dabei in ÜBA1 (Überbetriebliche Berufsausbildung bei einem Kursträger), ÜBA2 (Überbetriebliche Berufsausbildung bei einem Unternehmen begleitet durch einen Kursträger, Dauer ein Jahr), verlängerte Lehrzeit (ehemals IBA- Integrative Berufsausbildung) sowie einer Teilqualifizierung (TQ) gem. §8 Abs. 2 BAG.

Für die verlängerte Lehre sowie die Teilqualifizierung kommen gem. §8b Abs. 4 BAG folgende Jugendliche in Frage:

1. Personen, die am Ende der Pflichtschule sonderpädagogischen Förderbedarf hatten und zumindest teilweise nach dem Lehrplan einer Sonderschule unterrichtet wurden, oder
2. Personen ohne Abschluss der Hauptschule oder der Neuen Mittelschule bzw. mit negativem Abschluss einer dieser Schulen, oder
3. Behinderte im Sinne des Behinderteneinstellungsgesetzes bzw. des jeweiligen Landesbehindertengesetzes, oder
4. Personen, von denen aufgrund des Ergebnisses einer vom Arbeitsmarktservice oder Sozialministeriumsservice beauftragten Beratungs-, Betreuungs- oder Orientierungsmaßnahme angenommen werden muss, dass für sie aus ausschließlich in der Person gelegenen Gründen, die durch eine fachliche Beurteilung nach einem in den entsprechenden Richtlinien des Arbeitsmarktservices oder des Sozialministeriumservices zu konkretisierenden Vier-Augen-Prinzip festgestellt wurden, der Abschluss eines Lehrvertrages gemäß § 1 nicht möglich ist.

Die Laufzeit beträgt 1.7.2020 bis 30.6.2021.

Grundsätzlich werden 8 Berufsobergruppen gefördert. In diesem Vorhaben werden nur jene sieben vorgelegt, deren Bewilligungssumme 7,5 Mio. Euro übersteigen.

Folgende Einzelvorhaben im Rahmen der überbetrieblichen Berufsausbildungen gem. §30b und §8b Berufsausbildungsgesetz (BAG) durch das AMS Wien werden zur Vorlage gebracht:

1. Berufsobergruppe: Informatik / EDV / Kommunikationstechnik, Medien / Druck / Design, Elektrotechnik / Elektronik
2. Berufsobergruppe: Maschinen / Fahrzeuge / Metall, Kunst/Kunsthandwerk, Bau / Architektur /Gebäudetechnik
3. Berufsobergruppe: Büro / Handel / Finanzen, Berufsbereich Handel und Verkauf, Kultur / Sprachen / Gesellschaft
4. Berufsobergruppe: Büro / Handel / Finanzen, Bürobereich, Recht / Sicherheit / Verwaltung, Freizeitwirtschaft / Sport
5. Berufsobergruppe: Gesundheit / Medizin / Pflege, Körperpflege /Schönheit
6. Berufsobergruppe: Lebens- und Genussmittel / Ernährung, Tourismus / Gastgewerbe / Hotellerie, Umwelt / Energie / Rohstoffe
7. Berufsobergruppe: Holz / Papier / Glas / Keramik, Land- und Forstwirtschaft / Tiere / Pflanzen, Mode / Textil / Leder, Chemie / Kunststoff

(die Namen der Berufsgruppen werden in weiterer Folge der besseren Lesbarkeit gekürzt)

Geplante Laufzeit: jeweils 1.7.2020 bis 30.6.2021

Die Planung der Lehrberufe erfolgt unter Berücksichtigung folgender Schwerpunkte:

a. Vermittlung auf betriebliche Lehrstellen
• Vermittlung wird weiterhin als vorrangiges Ziel angesehen. Jugendlichen, die nicht ausbildungsfit sind, werden entsprechend des Bedarfs vorgelagerte Angebote empfohlen, um die Defizite auszugleichen. Erst bei erfolgloser Vermittlungsaktivität wird ein ÜBA-Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt.
• Weitere Forcierung der Vermittlungsaktivitäten auf betriebliche Lehrstellen bei folgenden Vorbereitungsangeboten: "Ausbildungsfit" (vormals Produktionsschule) "Jugendarbeitsassistenz", "Jugendwerkstatt", "Mädchen-Berufs-Zentrum", "ABO-Jugend".
• Bei der ÜBA2 wurde auf 510 Plätze erhöht, da aus der ÜBA2 heraus stärkere Vermittlungsimpulse in die betriebliche Lehre sichtbar sind. Jedoch zeigt sich auch, dass dies nur dann gelingt, wenn die individuelle Ausbildungsreife der Jugendlichen dem ÜBA2 Niveau entspricht und aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie ein entsprechendes betriebliches Lehrstellenangebot vorhanden ist. Es wurde darauf geachtet, dass das Verhältnis ÜBA2 zu ÜBA1 nicht massiv verändert wird.
• Vernetzung mit dem AMS Niederösterreich im Sinne der Überregionalen Vermittlung.
• Intensive Zusammenarbeit aller ÜBA-Träger mit dem Service für Unternehmen des AMS Jugendliche zur Vermittlung von ÜBA TeilnehmerInnen bei gemeldeten offenen Lehrstellen.
• Der Kriterien- und Konsequenzenkatalog wurde mit September 2019 eingeführt und wird von allen Trägern umgesetzt. Ergänzt wird der Kriterien- und Konsequenzenkatalog nun um ein Informationsblatt für Jugendliche („Jedes Team braucht klare Regeln“), das die Inhalte des Katalogs in einfacher Sprache aufbereitet. Dies soll zu einer noch größeren Transparenz der Rechte und Pflichten in der überbetrieblichen Ausbildung beitragen.

b. Erhöhung des Mädchen- / Frauenanteils
Weibliche Jugendliche sind in der Lehrlingsausbildung unterrepräsentiert. Junge Frauen bevorzugen stärker den Besuch weiterführender mittlerer und höherer Schulen.
Der Anteil der weiblichen Lehrlinge liegt auf einem relativ konstanten Niveau.
• Seit 2018 wird für Schülerinnen aus der 8. und/oder 9. Schulstufe, mit geringen Chancen auf den 1. Arbeitsmarkt bzw. mit wenig Aussicht auf den Besuch einer weiterführenden Schule, eine Kooperationsveranstaltung des Sozialministeriumsservice (SMS) und dem AMS organisiert. Die Girlsweek bietet Schülerinnen neben Informationen rund um das Thema Lehre auch den Besuch einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte. Die diesjährige Girlsweek, die für April geplant gewesen wäre, musste aufgrund der Covid 19 Krise abgesagt werden, wird jedoch 2021 wieder wie gewohnt stattfinden.
• Durch die Einführung der Mädchengruppen und Mädchenschwerpunkte im Ausbildungsjahr 2019/2020 konnten wir den Mädchenanteil im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich von 34,85 % auf 36,99 % steigern:
• Aufgrund dieses Erfolgs werden wir auch im Ausbildungsjahr 2020/2021 eigene Mädchengruppen und Mädchenschwerpunkte beauftragen:

Berufe mit Mädchenschwerpunkt
- Informationstechnologie/Betriebstechnik
- Elektronik – Hauptmodul angewandte Elektronik
- Tischlerei
- NEU: Applikationsentwicklung – Coding
- Mechatronik – Hauptmodul Automatisierungstechnik

Eigene Mädchengruppe
- E-Commerce – Kaufmann/frau
- Glasbautechnik – Hauptmodul Glasbau
- Speditionskaufmann/frau

Zusätzliches Angebot aufgrund von COVID-19:
Berufe mit Mädchenschwerpunkt
- Speditionskaufmann/frau
- Einzelhandel – Schwerpunkt allgemeiner Einzelhandel
- Applikationsentwicklung – Coding
- Informationstechnologie/Betriebstechnik
- NEU: Fahrradmechatronik
- Gold- und Silberschmied/in und Juwelier/in


c. Planung von neuen Berufen
• Applikationsentwicklung - Coding
Ein neuer Beruf, in dem es allerdings bereits 50 Ausbildungsbetriebe laut Lehrbetriebsübersicht der Wirtschaftskammer gibt. Davon bilden 38 Betriebe aktuell auch Lehrlinge aus.

Zusätzliches Angebot aufgrund von COVID-19:
• Fahrradmechatronik
Hier gibt es bis dato in Wien laut Lehrbetriebsübersicht der WKO zehn ausbildungsberechtigte Betriebe von denen aktuell sieben Lehrlinge ausbilden. Aufgrund der Tatsache, dass es sich hier um einen wachsenden Markt handelt und der Entwurf des neuen Berufsausbildungsgesetzes vorsieht, dass nun auch Betriebe als Praktikumsbetriebe ausgewählt werden können, die keine
Ausbildungsberechtigung haben, sehen wir hier Entwicklungschancen für diesen Bereich.

d. Planung von Berufen die im letzten Jahr nicht beauftragt wurden
• Metallbearbeitung
Wird wieder in der "verlängerte Lehre" angeboten, da es hier gute Vermittlungen im Novemberstart 2017 gegeben hat.

Zusätzliches Angebot aufgrund von COVID-19:
• Gold- und Silberschmiedin/Juwelierin.

Organisatorische / Methodische Änderungen
• Fokus beim Einstieg: Jugendlichen, die nicht ausbildungsfit sind, werden, dem festgestellten Bedarf entsprechend, vorgelagerte Angebote ermöglicht und es wird kein ÜBA-Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt.
• Unangekündigte Vorortkontrollen der Ausbildungseinrichtungen mit Unterstützung der Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer zur Prüfung des Ausbildungsequipments laut den Ausbildungsvorschriften.
• Beauftragung des Angebots „your choice – your future“ für LehrabbrecherInnen. Dabei werden die Jugendlichen durch Orientierung, Motivierung und Stabilisierung unterstützt wieder so rasch als möglich ihre Lehre fortzusetzen.

Eine Zustimmung durch das Landesdirektorium erfolgte mittels Rundlaufbeschluss am 17. Juni 2020.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Die überbetriebliche Lehrausbildung leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen (UN). Hier vor allem zu den Zielen #4 „Hochwertigen Bildung“ und #8 „Menschwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“. In der aktuellen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wird bspw. das Ziel festgelegt, die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welchen durch berufliche Qualifikationen eine menschenwürdige Arbeit ermöglicht wird, wesentlich zu erhöhen.
Schließlich ist auch die Österreichische Jugendstrategie eng verknüpft mit den SDG und den Europäischen Jugendzielen der EU-Jugendstrategie 2019-2027. Die überbetriebliche Lehrausbildung nimmt im Rahmen dieser nationalen Strategie eine zentrale Rolle im Handlungsfeld „Bildung und Beschäftigung“ ein.

Die Integration von Jugendlichen im Bereich der Berufsausbildung ist ein maßgebliches Ziel des Arbeitsmarktservice Wien.
Nicht zuletzt durch das Ausbildungspflichtgesetz bis 18 Jahre hat das Arbeitsmarktservice Wien einen klaren Auftrag, Jugendlichen, die sich in keiner Schule befinden oder keine Lehrstelle bei einem Unternehmen gefunden haben, einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen, der den zunehmenden Qualifizierungsanforderungen der Wirtschaft entspricht. Personen ohne Berufsausbildung haben ein geringeres Einkommen und ein wesentlich höheres Risiko arbeitslos zu werden und auch zu bleiben, als Personen mit einer abgeschlossenen Lehrausbildung. Alleine in Wien liegt die Arbeitslosigkeit bei Personen mit max. Pflichtschulabschluss bei 34,4 % und sinkt mit Lehrabschluss auf 12,7 % (Quelle Arbeitsmarkt und Bildung, Stand Dezember 2021).

Die Beauftragung überbetrieblicher Lehrausbildungen (ÜBA) durch das AMS Wien trägt daher maßgeblich dazu bei, dass Personen ins Erwerbsleben finden und ihr Risiko auf Arbeitslosigkeit minimiert wird. Ebenso wird dem Facharbeiter_innenmangel am Wiener Arbeitsmarkt entgegengewirkt.


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2020 2021 2022 2023 2024 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 41.468 42.891 1.423 27.645 25.140 -2.505 0 0 0 0 0 0 0 0 0 69.113 68.031 -1.082
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Aufwendungen gesamt 41.468 42.891 1.423 27.645 25.140 -2.505 0 0 0 0 0 0 0 0 0 69.113 68.031 -1.082
Nettoergebnis -41.468 -42.891 -27.645 -25.140 0 0 0 0 0 0 -69.113 -68.031

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Die Kalkulation für die überbetriebliche Lehrausbildung erfolgt in Wien aufgrund von Tagsätzen mit einer kalkulierten Verweildauer im Projekt. Treten nur weniger Personen ein oder werden sie schneller auf den 1. Lehrstellenarbeitsmarkt hinausvermittelt, so entstehen bei der Abrechnung weniger Verweiltage als ursprüngliche kalkuliert. Daher entstanden über beide Jahre verteilt um rund 1 Mio. € weniger Aufwendungen als geplant. Die Einzelmaßnahmen werden jährlich von Juli bis zum Juni des Folgejahres beauftragt. Gelder die in einem Auftragsjahr nicht verbraucht werden, können nicht in eine Folgejahr mitgenommen werden, da es sich hier um einzelne Verträge handelt, die auch einzeln nach einem Jahr abgerechnet werden. Die -1,08 Mio. Euro zeigen somit nur, dass die genehmigten Maximalsummen über die Jahre nicht ausgeschöpft wurden. Dies bedeutet, dass die Teilnehmer_innen rascher in den 1. Lehrstellen-Arbeitsmarkt integriert wurden, als ursprünglich prognostiziert. Somit fielen weniger Tagsätze und Ausbildungsbeihilfe an.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: überwiegend eingetreten.

Die nachhaltige Integration von Jugendlichen im Bereich der Berufsausbildung ist ein maßgebliches Ziel des Arbeitsmarktservice. Nicht zuletzt durch das Ausbildungspflichtgesetz hat die Bundesregierung dem AMS einen klaren Auftrag erteilt, allen Jugendlichen, die sich in keiner Schule befinden oder eine Lehrstelle bei einem Unternehmen gefunden haben, einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2021 waren insgesamt 16.231 Personen beim AMS Wien lehrstellensuchend vorgemerkt, was einen Anstieg von 1.495 Jugendlichen gegenüber 2020 bedeutet.
Das AMS Wien bietet jährlich für rund 5.000 Jugendlichen, die keine Lehrplatz bei Betrieben finden, überbetriebliche Ausbildungen gem. §30b und §8b BAG an.
Unterschieden wird dabei in ÜBA1 (Ausbildung bei einem Kursträger), ÜBA2 (Dauer ein Jahr, Ausbildung bei einem Unternehmen begleitet durch einen Kursträger) und verlängerte Lehrzeit (ehemals IBA). Für Neueintritte gab es 2020/2021 in der ÜBA 1.867 Plätze, in der ÜBA 2.455 Plätze und in der verlängerten Lehre und der Teilqualifizierung 593.
Die ggst. sieben Maßnahmen stellen somit nur einen Teil der gesamten überbetrieblichen Lehrmöglichkeiten dar. Es werden darüber hinaus auch Projekte mit Projektkosten unter 7,5 Mio. Euro sowie Ausbildungsplätze in Ausbildungszentren (z. B. Jugend am Werk oder Berufsausbildungszentrum des BFI) finanziert.
Bei den beauftragen Projekten wurde der Fokus beim Einstieg darauf gelegt, dass Jugendliche, die nicht ausbildungsfit sind, dem festgestellten Bedarf entsprechend, vorgelagerte Angebote ermöglicht werden und vorerst kein ÜBA-Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt wird.
Wichtig ist auch die Durchlässigkeit des Systems in beide Richtungen: ÜBA 2 >-< ÜBA 1 >-< VLZ >-< TQ.
Zur Steigerung der Vermittlungstätigkeit wurde erhoben, welche Lehrausbildungen am ersten Arbeitsmarkt angeboten und welche Anforderungen an die Lehrlinge gestellt werden. Daher erfolgte eine Änderung der angebotenen Berufe durch Einbeziehung der Mangelberufsliste und der Zukunftsberufe.

Die Zielwerte für die ÜBA 1 und VLZ konnten erreicht werden, die der ÜBA 2 jedoch nicht. Dies ist sicherlich mit den Corona-Situation im Jahr 2020 begründet. Durch die Pandemie waren viele Betriebe in Kurzarbeit und konnten somit keine neuen Lehrlinge einstellen.

Die Ergebnisse bei der ÜBA1 entwickeln sich über die Jahre sehr positiv: 40,32 % 2017, 41,24 % 2018, 41,01 % 2019 und nun 2020 54,23 %.
Bei der ÜBA2 verzeichnet das AMS Wien seit 2017 ein Rückgang bei Arbeitsmarkterfolg: 68,82 % 2017, 64,95 % 2018, 62,54 % 2019 und 54,81 % 2020. Dies resultiert vermutlich daraus, dass die ÜBA2 in den letzten 3 Jahren massiv ausgebaut wurde. Somit absolvieren scheinbar mehr Jugendliche die ÜBA2, bei denen eine anschließende Arbeitsmarktintegration schwerer gelingt. Der schlechte Wert 2020 begründet sich, wie oben erwähnt, durch die pandemiebedingten Einschränkungen am Arbeitsmarkt.
Angesichts der schwer vermittelbaren Zielgruppe bei der verlängerten Lehre erscheint die Zielerreichung von 41,74 % sehr positiv. Hier ist die Entwicklung seit 2019 (33,40 %) stetig steigend.
Sieht man sich die sieben Einzelprojekte an, so war die Berufsobergruppe (BOG) Maschinen/Fahrzeuge/Metall, Kunst/Kunsthandwerk mit 52,3 % (über alle drei Ausbildungsarten), gefolgt von der BOG Gesundheit/Medizin/Pflege/Körperpflege und Schönheit mit 46,8 % und der BOG Büro/Handel/Finanzen, Schwerpunkt Bürobereich mit 46,1 % am erfolgreichsten.
Im Bereich der BOG Informatik/EDV/Kommunikationstechnik, Medien/Druck im Bereich Vermittlung. konnten nur 42,3 % vermittelt werden, was primär auf den Lehrstellenmangel in diesem Bereich zurückzuführen ist. Bei der BOG Büro/Handel/Finanzen Schwerpunkt Handel und Verkauf sowie der BOG Holz/Papier/Glas/Keramik, Land- und Forstwirtschaft konnten Werte von 41,4 % und 44,1 % erreicht werden. Am schwierigsten zeichnete sich die Vermittlung bei der BOG Lebens- und Genussmittel/Ernährung, Tourismus/Gastgewerbe mit 38,6 % ab.
Die individuelle Zielerreichung korreliert in erster Linie auch mit dem jeweiligen Lehrstellenangebot in den betroffenen Ausbildungsbereichen.

Positiv verlaufen auch die Bemühungen den Frauenanteil in der überbetrieblichen Lehre zu steigern.
Weibliche Jugendliche sind in der Lehrlingsausbildung unterrepräsentiert. Junge Frauen bevorzugen stärker den Besuch weiterführender mittlerer und höherer Schulen.
Der Anteil weiblicher Lehrlinge (ibw Forschungsbericht 190) ist seit 1990 auf einem relativ konstanten Niveau bei rund 34 %. Zuletzt weist er allerdings eine leicht sinkende Tendenz auf (2016: 33,3 %). Bei den überbetrieblichen Lehrausbildungen lag der Fokus in den letzten Beauftragungen stark auf einer kontinuierlichen Steigerung des Frauenanteils. Vom Ausbildungsjahr 2015/2016 mit einem Frauenanteil von 34,63 % (1.738 von 5.100) steigerte sich die Quote bis ins Ausbildungsjahr2020/2021 auf (2.254 von 5.716) 39,43.

Verbesserungspotentiale

Folgende Änderungen wurden bei der Folgebeauftragung (Ausbildungsjahr 2021/2022) durchgeführt:
• Weitere Intensivierung Zusammenarbeit aller ÜBA-Träger mit dem Service für Unternehmen des AMS Jugendliche zur Vermittlung von ÜBA TeilnehmerInnen bei gemeldeten offenen Lehrstellen.
• Durch die Installierung zweier Geschäftsstellen für Personen bis 25 Jahre in Wien, die sich in einem Haus mit der Stadt Wien MA 40 befinden (sogenanntes U25), konnte ein Kompetenzzentrum für Arbeitsmarktpolitik in Wien für junge Menschen geschaffen werden. Dies führt jedenfalls zu Synergien, die die Besetzung offener Lehrstellen und die Bebuchung der ÜBA verbessern wird.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen