Abschluss der Leistungsvereinbarung 2018 – 2020 mit dem IST Austria

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
überplanmäßig eingetreten: Abschluss der Leistungsvereinbarung 2018 – 2020 mit dem Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) BMBWF UG 31 2018 2018 -155.900 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Problemdefinition

Das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) wurde mit Bundesgesetz vom 19. Mai 2006 (BGBl. I Nr. 69/2006) als juristische Person des öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit errichtet. Es dient der Spitzenforschung im Bereich der Grundlagenforschung und orientiert sich laut § 2 (2) an folgenden Grundsätzen:

1. Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre (Art. 17 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger, RGBl. Nr. 142/1867)
2. Unabhängigkeit in allen wissenschaftlichen Angelegenheiten sowie in den Bereichen Organisation, Management und Personalauswahl
3. Forschung auf Grundlage höchster international anerkannter Standards
4. Weltweite Rekrutierung von höchstqualifiziertem Forschungspersonal
5. Ausbildung von höchstqualifizierten Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern
6. Internationale Ausrichtung in Forschung und Lehre
7. Mitwirkung beim Aufbau von "Spin-Offs"
8. Intensive Kooperation mit in- und ausländischen universitären und außeruniversitären Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen

Nach der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und dem Land Niederösterreich über die Errichtung und den Betrieb des IST Austria (kurz "15a B-VG Vereinbarung", BGBl. I Nr. 100/2012) hat sich der Bund verpflichtet, das IST Austria dauerhaft zu errichten und gemeinsam mit dem Land Niederösterreich zu erhalten. Diese Vereinbarung stellt den finanziellen Rahmen für die Leistungsvereinbarung dar. Gemäß der Rahmenvereinbarung zu den Leistungsvereinbarungen vom März 2015, welche die rechtliche Grundlage der LV darstellt, enthält die Leistungsvereinbarung folgende Punkte:
- Forschungsimmanente Qualitätskriterien
- Vorhaben, die sich aus Gesetz und Entwicklungsdokument ergeben
- Berichts- und Offenlegungspflichten des Instituts
- Leistungen des Bundes

Die abzuschließende Leistungsvereinbarung gilt für den Zeitraum vom 1.1.2018 bis 31.12.2020. Die LV legt die Zielsetzungen und Maßnahmen fest, zu deren Umsetzung sich das IST Austria für die Dreijahresperiode 2018-2020 verpflichtet.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Das gegenständliche Vorhaben unterstützt mehrere Maßnahmen des Regierungsprogramms und trägt zur Umsetzung der Ziele und Maßnahmen der derzeit gültigen FTI-Strategie bei.
Beispiele hierfür sind:
• Exzellenzorientierung vorantreiben: IST Austria dient lt. Errichtungsgesetz der Spitzenforschung.
• Ausbau der internationalen Attraktivität als akademischer Standort: Die Arbeitssprache am IST Austria ist Englisch, Tenure-Track-Karrieremodell, internationale Graduate School etc.
• Bestmögliche Nutzung der EU-Förderprogramme: Der Europäische Forschungsrat (ERC) ist einer der Hauptfördergeber für Drittmittel am IST Austria.
• Brückenschlag von der Grundlagenforschung bis zur Verwertung von Forschungsergebnissen, Wissenstransfer: Der Technologiepark IST Park befindet sich im stetigen Wachstum, Entrepreneurship wird über das TWIST Programm gefördert, die Investitionsplattform IST CUBE unterstützt bei der Gründung und Entwicklung von Tech-Start-ups etc.
• Exzellenzinitiative zur Steigerung der kompetitiven Grundlagenforschung (z. B. Förderung herausragender Nachwuchswissenschafter/innen, kompetitive Anreize für Forschungsexzellenz für Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen): Ein Drittel der Bundesfinanzierung erfolgt leistungsabhängig, der herausragende wissenschaftliche Nachwuchs wird im Rahmen der Master- und PhD-Ausbildung in der Graduate-School sowie im Postdocprogramm gefördert; Tenure-Track-Karrieremodell nach Vorbild der US-Universitäten; durchgängige „internen Karrieren“ sind nicht möglich, Assistant Professor/inn/en haben von Beginn an volle wissenschaftliche Unabhängigkeit etc.
• Grundfinanzierungsmodell außeruniversitärer Einrichtungen zw. Bund und Ländern: Bestehende Vereinbarung gem. Art.15a B-VG zwischen Bund und Land NÖ als Erhalter des IST Austria, langfristiger Planungshorizont 2007-2026.
• Teilnahme am globalen Wettbewerb um die „besten Köpfe“: IST Austria rekrutiert weltweit die in ihrem Bereich führenden Forschenden.
• Beitrag zum Aufbau exzellenter Forschungsschwerpunkte (siehe oben).
In diesem Sinne trägt das Vorhaben zum Unterziel 9.5 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung – SDGs bei. ("Die wissenschaftliche Forschung verbessern und die technologischen Kapazitäten der Industriesektoren in allen Ländern und insbesondere in den Entwicklungsländern ausbauen und zu diesem Zweck bis 2030 unter anderem Innovationen fördern und die Anzahl der im Bereich Forschung und Entwicklung tätigen Personen je 1 Million Menschen sowie die öffentlichen und privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung beträchtlich erhöhen“)


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2018 2019 2020 2021 2022 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 26 26 0 27 27 0 27 27 0 0 0 0 0 0 0 80 80 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 42.500 33.875 -8.625 68.600 51.443 -17.157 94.500 70.272 -24.228 0 0 0 0 0 0 205.600 155.590 -50.010
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 75 75 0 77 77 0 78 78 0 0 0 0 0 0 0 230 230 0
Aufwendungen gesamt 42.601 33.976 -8.625 68.704 51.547 -17.157 94.605 70.377 -24.228 0 0 0 0 0 0 205.910 155.900 -50.010
Nettoergebnis -42.601 -33.976 -68.704 -51.547 -94.605 -70.377 0 0 0 0 -205.910 -155.900

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Ein Drittel der Bundesfinanzierung des IST Austria wird leistungsabhängig ausbezahlt. Dieser leistungsbezogene Finanzierungsanteil kann in einem Jahr nur abgerufen werden, wenn im vorangegangenen Jahr die entsprechende Leistung erbracht wurde. Die in einem Jahr nachweislich von IST Austria lukrierten Drittmittelflüsse werden, so sie die Kriterien laut LV erfüllen, im Folgejahr vom Bund verdoppelt. Da die Drittmitteleinwerbung im (internationalen) Wettbewerb erfolgt und mit vielen Unsicherheiten behaftet ist, kann es zu Schwankungen zwischen Planung und tatsächlichem Erfolg kommen. Die Differenz der Auszahlung gegenüber der Planung ergibt sich durch die jährliche Abrechnung der tatsächlich eingeworbenen Drittmittel aus dem Vorjahr, die verdoppelt werden. Da das IST Austria in der Leistungsperiode 2018 bis 2020 äußerst erfolgreich in der Einwerbung von Drittmitteln war, überstieg das per LV vereinbarte Budget den tatsächlichen Bedarf des Instituts. Im Sinne einer bedarfsgerechten Finanzierung wurden daher in der gesamten Leistungsperiode ca. € 50 Mio. weniger an Bundesmitteln vom IST Austria abgerufen, als per LV vereinbart.


Wirkungsdimensionen

In der Evaluierung behandelte Wirkungsdimensionen

In der WFA abgeschätzte wesentliche Auswirkungen in Wirkungsdimensionen


Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: überplanmäßig eingetreten.

IST Austria hat die Zielsetzungen der LV 2018-2020 sehr gut und über seine ursprüngliche Zielsetzung hinaus umgesetzt: 2020 lukrierte IST Austria Drittmittelflüsse in der Höhe von 21,64 Mio. Euro (im ursprünglich festgelegten Zielwert wurden 15 Mio. Euro angestrebt). Das tatsächliche Ausmaß an erfolgreich im internationalen Wettbewerb eingeworbenen Drittmitteln, die im Falle von IST Austria zu einem Großteil aus der EU-Spitzenforschungsförderung (Europäischer Forschungsrat, ERC) stammen, war im Vorfeld nicht absehbar. Solche Programme sind hoch kompetitiv und weisen daher in der Regel entsprechend geringe Erfolgsaussichten auf. Umso bemerkenswerter ist es, dass IST Austria bei Einwerbungen von ERC-Drittmitteln seit Jahren überdurchschnittlich performt. 2019 wurde das IST Austria wie im IST Austria Gesetz §5 (2) vorgeschrieben durch ein international ausgewiesenes, siebenköpfiges Expert/inn/enkomitee evaluiert. Das Ergebnis wurde im Februar 2020 vorgelegt. Dem IST Austria wird darin bescheinigt, auf einem guten Weg zu sein, seine vorgegebenen Ziele zu erreichen. Die vom Komitee ausgesprochenen Empfehlungen fanden anschließend sowohl in der Verhandlung der LV 2021-2023 als auch in der Novellierung der Vereinbarung gem. Art. 15a B-VG mit dem Land Niederösterreich Berücksichtigung, die ab dem 1.1.2022 in Geltung ist.
Der Prozentsatz der PhD-Studierenden, die 2016 ihr Qualifying Exam bestanden haben und 2020 promoviert wurden liegt bei 95,8 % und liegt so deutlich über dem Zielwert von 75 %, der in der WFA vereinbart wurde. Aus den Daten zur Genderquote am IST Austria ist ersichtlich, dass mit zunehmender Karrierestufe der Frauenanteil sukzessive abnimmt (Phänomen der „leaky pipeline“). Deshalb veröffentlicht das IST Austria seine Ausschreibungen gezielt in Kanälen, von denen man sich eine hohe Reichweite zu vielversprechenden weiblichen Nachwuchswissenschaftlerinnen verspricht. Wie in der WFA vereinbart, nutzt das Women-Recruiting-Komitee das gezielte Women-Scouting von "Promising Candidates", die eine persönliche Einladung bekommen mit der Aufforderung sich zu bewerben. Besonders etabliert hat sich dabei das gezielte Ansprechen geeigneter Kandidatinnen bereits in frühen Karrierestufen, die den Forscherinnen einen konkreten Ausblick auf eine Karriere am IST Austria geben. Im Jahr 2020 sind am IST Austria 250 PhD-Studierende eingeschrieben, davon 42,4 % Frauen, das entspricht 106 Köpfen. Per WFA waren 66 weibliche Kandidatinnen angestrebt, womit die Maßnahme deutlich übertroffen wurde. IST Austria betreibt eine intensive Kooperation mit in- und ausländischen universitären und außeruniversitären Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen. Dies spiegelt sich in der Anzahl an Einträgen in der Datenbank des BMBWF für Kooperationen zur Verfügung gestellter Forschungsinfrastrukturen wider. 2020 hatte das IST Austria dort 73 Einträge. In der Datenbank Scopus wurden 381 Publikationen von IST Austria im Jahr 2020 ausgewiesen. Davon haben 318 Publikationen mindestens eine Koautorin bzw. einen Koautor mit einer anderen Affiliation. Das bedeutet, dass 83 % aller Publikationen im Rahmen von Kooperationen entstanden sind. Das WFA-Ziel der LV 2018-2020 (mehr als 75 %) wurde somit erreicht.
Zusammenfassend lässt sich daher festhalten, dass IST Austria alle vier Zielvorgaben und den damit verbundenen Maßnahmen erreicht bzw. sogar übertroffen hat.

Verbesserungspotentiale

Das Evaluierungskomitee der 3. wissenschaftlichen Evaluierung sprach einige Empfehlungen für die weitere Entwicklung des Instituts aus, die sowohl in der Verhandlung der LV 2021-2023 als auch in der Novellierung der Vereinbarung gem. Art. 15a B-VG mit dem Land Niederösterreich Berücksichtigung fanden.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen