Sonderrichtlinie "Auslandslektorate"

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
überwiegend eingetreten: Sonderrichtlinie "Auslandslektorate" BMBWF UG 31 2017 2017 -10.336 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Problemdefinition

Die Internationalisierung der Forschung ist allgemein anerkannt. Ganz anders sieht es bei der Lehre aus, hier gibt es einen großen Nachholbedarf an internationaler Erfahrung und Vernetzung. Diese setzt noch stärker als in der Forschung die persönliche Erfahrung und den persönlichen Diskurs voraus. Bedingung dafür ist die grenzüberschreitende, physische Mobilität. Daraus entstehen persönliche Kontakte und Beziehungen, die eine wichtige und wertvolle fachliche Bereicherung darstellen.

Auf der anderen Seite ist Österreich als kleines, deutschsprachiges Land daran interessiert, dass es mit hier gesprochenen Varietäten der deutschen Sprache insbesondere im universitären Deutschunterricht Berücksichtigung findet und österreichische Literatur, Kultur und Landeskunde Studierenden der Germanistik nähergebracht werden. Zentrales Element ist dabei die Vermittlung eines zeitgemäßen Österreichbildes in all seinen Facetten.

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung ist sich dieser Erfordernisse und Chancen bewusst. Durch die Ermöglichung von Lehrerfahrung an Universitäten oder Hochschulen im Ausland können Postgraduierte, Doktoratsstudierende und Post-Docs österreichischer Universitäten wichtige und wertvolle Erfahrungen sammeln und gleichzeitig das Bild Österreichs im Ausland mitprägen. Für ihren weiteren Berufsweg als Lehrende an Schulen, Hochschulen oder Universitäten in Österreich sind diese Erfahrungen zunehmend stärker gefragt, da sich insbesondere im Deutschunterricht immer mehr Schülerinnen, Schüler und Studierende finden, die Deutsch als Fremdsprache und nicht als Muttersprache lernen. Das ist eine besondere Herausforderung für die künftigen Lehrenden.

Die Vergabe der Fördermittel soll den Vorgaben der ARR 2014 entsprechen.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Das gegenständliche Vorhaben trägt zur FTI-Strategie 2030 bei und lässt sich dem Handlungsfeld 1 (Zum internationalen Spitzenfeld aufschließen und den FTI-Standort Österreich stärken) sowie dem Handlungsfeld 3 (Auf Wissen, Talente und Fertigkeiten setzen) zuordnen. Die Umsetzung der FTI-Strategie steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Forschungsfinanzierungsgesetz (FoFinaG), mittels welchem die Bundesregierung alle drei Jahre einen Pakt für Forschung, Technologie und Innovation (FTI-Pakt) beschließt. Gemäß FTI-Pakt 2021-2023 sind eine auf Internationalität ausgerichtete Lehre und Forschung wesentliche Eckpfeiler für wissenschaftliche Exzellenz und Voraussetzung für eine erfolgreiche Positionierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Verstärkte Internationalisierung ist der Schlüssel zum Erfolg, um sich in Zukunft als Hochschulstandort Österreich global zunehmend sichtbarer zu positionieren. In diesem Sinne lässt sich das Vorhaben zu folgenden strategischen Scherpunkten bzw. Maßnahmen zur Zielerreichung gemäß FTI-Pakt 2021-2023 zuordnen:
1.1.3. Internationalisierung fördern und strategisch ausrichten
1.3.1. Humanressourcen entwickeln und fördern
1.3.2. Internationale Perspektiven von forschenden und Studierenden unterstützen
Im Sinne der SDG-Nachhaltigkeitsziele trägt das Vorhaben zum Unterziel 4.3 (Bis 2030 den gleichberechtigten Zugang aller Frauen und Männer zu einer erschwinglichen und hochwertigen fachlichen, beruflichen und tertiären Bildung einschließlich universitärer Bildung gewährleisten) bei und dementsprechend zu den Kernelementen der „Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen.


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2017 2018 2019 2020 2021 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 24 24 0 24 24 0 25 25 0 25 25 0 26 26 0 124 124 0
Transferaufwand 2.408 2.552 144 2.408 2.422 14 2.408 1.925 -483 2.408 635 -1.773 2.408 2.325 -83 12.040 9.859 -2.181
Personalaufwand 68 68 0 69 69 0 71 71 0 72 72 0 73 73 0 353 353 0
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Aufwendungen gesamt 2.500 2.644 144 2.501 2.515 14 2.504 2.021 -483 2.505 732 -1.773 2.507 2.424 -83 12.517 10.336 -2.181
Nettoergebnis -2.500 -2.644 -2.501 -2.515 -2.504 -2.021 -2.505 -732 -2.507 -2.424 -12.517 -10.336

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

In den Jahren 2020 sind die Auswirkungen von COVID sichtbar, da es nicht zur Vorortbesetzung gekommen ist, sondern viele Lektor/inn/en von Österreich aus unterrichten mussten. In den Jahren 2019, 2020 und 2021 konnten nicht alle Standorte besetzt werden mangels ausreichender Bewerbungen.


Wirkungsdimensionen

Es wurden keine wesentlichen Auswirkungen in der WFA abgeschätzt bzw. in der Evaluierung festgestellt.

Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: überwiegend eingetreten.

Österreich vermittelt Absolvent/inn/en österreichischer Universitäten an ausländischen Hochschuleinrichtungen die dort im Rahmen von Germanistikinstituten als Auslandslektor/inn/en unterrichten. Durch die Auslandslektorate ist die Sichtbarkeit Österreichs an den Auslandsgermanistiken gegeben.
Weiters ist die Präsenz der österreichischen Varietät der deutschen Sprache auf Ebene der ordentlichen Studien an Universitäten und Hochschulen in fremdsprachigen Ländern in Form von muttersprachlichen Lehrenden von hohem Interesse. Verbunden damit ist die Vermittlung eines zeitgemäßen Österreichbildes in all seinen Facetten, nicht zuletzt um Österreich als Kunst- und Kulturland, sowie als Wissenschaftsstandort sichtbar zu machen. Dies geschieht in enger Abstimmung und Kooperation mit einer allenfalls am Standort bestehenden Österreich-Bibliothek und den zuständigen österreichischen Vertretungsbehörden (Kulturforum, Botschaft).
Muttersprachliche Lehrende ermöglichen weiters eine besondere Entwicklung und Festigung von internationaler Kooperation zwischen Institutionen und Personen in Österreich und im jeweiligen Gastland im Bereich der Germanistik. Sie bedeuten nicht nur eine Förderung von Mehrsprachigkeit, sondern ermöglichen auch Reformprozesse im Sprachstudium durch die Einbeziehung aktueller Inhalte und Methoden. Auch die interkulturelle Erfahrung ist in einer globalisierten Welt von großer Bedeutung und wird mit diesem Programm in beide Richtungen gefördert.

Nach ihrer Rückkehr stellen die Fördernehmer/innen (im Folgenden Lektor/inn/en genannt) eine wichtige Bereicherung der Lehre und der wissenschaftlichen Arbeit in den jeweiligen österreichischen Einrichtungen dar. Sie sind somit für die Weiterentwicklung und Wahrnehmung Österreichs als Wissenschaftsstandort von großer Bedeutung. Unabhängig davon, wie der weitere Berufsweg aussehen wird, haben die Lektor/inn/en Unterrichtserfahrung im fremdsprachigen Umfeld und intensive Erfahrungen mit dem Gastland erworben, die sich für die Lektor/inn/en mittelfristig auch für Österreich positiv auswirken soll.
Durch diese zusätzliche Ausbildung im Ausland haben mehr angehende Lehrer/innen fundierte Erfahrungen mit dem Unterricht von muttersprachlich nicht deutsch sprechenden Personen.

Die Förderung von grenzüberschreitender, physischer Mobilität und die daraus entstehenden persönlichen Kontakte stellen eine wichtige und wertvolle fachliche sowie persönliche Bereicherung dar. Dies steht im Mittelpunkt der Förderprogramme. Die Firma WPZ Research GmbH wurde mit einer Evaluierung des persönlichen Mehrwertes der Stipendienprogramme des BMBWF für die einzelnen Stipendiat/inn/en beauftragt.
Hinsichtlich der Kennzahlen 1 und 2 haben sich die geschätzten Werte im Jahr 2016 für die erbrachten Semesterstunden und abgenommenen Prüfungen als deutlich zu hoch herausgestellt und wurden daher bei flächendeckender Erhebung (ab 2018/19) deutlich unterschritten. Die Zielwerte werden bei den kommenden Sonderrichtlinien entsprechend adaptiert.

Verbesserungspotentiale

1. Bewerbung der Programme: Die meisten Fördernehmenden berichteten, dass sie nur durch bereits bestehende Kontakte (über die Fördernehmenden selbst oder eine/n Professor/in) auf das Programm aufmerksam wurden. Es wäre wichtig, dass die Programme in den International Offices der Hochschulen bekannt sind und entsprechend beworben werden.

2. Überarbeitung des Bewerbungsprozesses: Es ist ein noch stärkerer Fokus auf akademische Exzellenz und Passgenauigkeit für Forschende weltweit zu legen. Eine Plattform am technisch neuesten Stand ist hierfür ebenso relevant wie der Hinweis, dass Empfehlungsschreiben von Professor/inn/en nicht über die Bewerbenden eingereicht werden müssen.
3. Es empfiehlt sich, die Stipendienhöhe und Reisekostenzuschüsse anzupassen sowie ein Projektbudget, das den Teilnehmenden zur Organisation von Veranstaltungen und anderen Aktivitäten im Gastland, welche der Vermittlung der österreichischen Sprache und Kultur dienen, zur Verfügung steht. Im Vergleich: Den Geförderten aus Deutschland stehen dafür 1.000 Euro pro Jahr zur Verfügung, über welche sie frei verfügen können. Ähnliches ist auch für BMBWF-Auslandslektorate anzuregen, um sicherzustellen, dass die Lektor/inn/en über ihre Unterrichtstätigkeit hinausgehend Aktivitäten initiieren können und Österreich als eigener Akteur im Ausland wahrgenommen wird.
4. Die Situation an den Gastinstitutionen divergiert deutlich. Hier sollten von österreichischer Seite Bedingungen vorgegeben werden, bzw. die Teilnehmenden vorab darüber informiert werden, falls gewisse Bedingungen nicht erfüllt werden (z. B. in Frankreich darf ein/e Lektor/in das Fach österreichische Länderkunde nicht unterrichten). Ebenso sollte ein Einschreiten von österreichischer Seite vorgesehen werden, sofern gewisse Bedingungen nicht erfüllt werden (z. B. ausständige Gehaltszahlungen). Es empfiehlt sich, die Gastinstitutionen in gewisser Regelmäßigkeit auf die Bedingungen für die österreichischen Lektor/inn/en hin zu überprüfen.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen