Sonderrichtlinie "INCOMING"

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
überplanmäßig eingetreten: Sonderrichtlinie "INCOMING" BMBWF UG 31 2017 2017 -10.300 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Beitrag zu Globalbudget-Maßnahmen

Problemdefinition

Die Stipendienprogramme des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung sollen die Universitäten und Fachhochschulen bei dieser Ausbildungsaufgabe unterstützen, indem sie das Knüpfen internationaler wissenschaftlicher Kontakte und das Aufbauen von nachhaltigen Forschungsnetzwerken erleichtern. An diesem Ziel orientieren sich die Incoming-Stipendien des BMBWF.

Die Bandbreite der Incoming-Stipendienprogramme soll einerseits für ausländische Studierende einen niederschwelligen frühen Erstkontakt mit der österreichischen Universitäts- und Fachhochschullandschaft ermöglichen und andererseits für ausländische Wissenschafterinnen und Wissenschafter den Anreiz bieten, mit ihren Kolleginnen und Kollegen an den österreichischen Universitäten und Fachhochschulen Kooperationen anzubahnen, sie in ihre bestehenden wissenschaftlichen Netzwerke einzubeziehen bzw. mit ihnen neue Netzwerke zu initiieren.

Bei dieser Strukturierung der Incoming-Stipendienprogramme hat man als Ziel vor Augen, auf allen universitären Karriereebenen die "besten Köpfe" für einen Studien- bzw. Forschungsaufenthalt in Österreich zu gewinnen. Mit den Incoming-Stipendien soll auch sichergestellt werden, dass qualifizierte ausländische Studierende, Graduierte, Doktoratsstudierende, Wissenschafterinnen und Wissenschafter auch dann (einen begrenzten Zeitraum) nach Österreich kommen können, wenn ihr Herkunftsland keine oder nur wenige Stipendien zur Verfügung stellen kann oder allenfalls die dortigen Stipendien in der Höhe nicht ausreichen, den Aufenthalt in Österreich zu finanzieren. Zudem spielen speziell für Österreich relevante Themenfelder (wie österreichische Literatur, österreichische Geschichte etc.) in den Stipendienprogrammen anderer Länder naturgemäß keine zentrale Rolle bei der Mittelvergabe.

Die Incoming-Stipendienprogramme des BMBWF eröffnen weiters Kontakte und damit Möglichkeiten für Studierende, Graduierte, Doktoratsstudierende, Wissenschafterinnen und Wissenschafter österreichischer Fachhochschulen und Universitäten, im Ausland studieren und forschen zu können. Sie sind somit im Sinne der Gegenseitigkeit ein wichtiges Instrumentarium bei der Unterstützung der Internationalisierungsbemühungen der österreichischen Universitäten und Fachhochschulen.

Die Vergabe der Fördermittel soll den Vorgaben der ARR 2014 entsprechen.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Durch eine kontinuierliche Verbesserung der Rahmenbedingungen soll die studentische Mobilität noch besser ausgebaut werden. Das gegenständliche Vorhaben unterstützt dahingehend das aktuelle Regierungsprogramm 2020-2024 mit der Schwerpunktsetzung Bildungsexport und Internationalisierung, insbesondere hinsichtlich
- Stärkung Österreichs als attraktiver Standort für internationale Studierende und Wissenschafter/innen; verbesserte Kooperation der österreichischen Vertretungsbehörden mit der Fremdenrechtsbehörde und den wissenschaftlichen Einrichtungen.
- Weiterentwicklung der Stipendienprogramme des Österreichischen Austauschdienstes (OeAD), um hochqualifizierte PhD-Studierende nach Österreich zu holen (v. a. im Bereich MINT)
Darüber hinaus trägt das Vorhaben im Sinne der SDG-Nachhaltigkeitsziele zum Unterziel 4.3 (Bis 2030 den gleichberechtigten Zugang aller Frauen und Männer zu einer erschwinglichen und hochwertigen fachlichen, beruflichen und tertiären Bildung einschließlich universitärer Bildung gewährleisten) bei und dementsprechend zu den Kernelementen der „Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen.


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2017 2018 2019 2020 2021 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 46 46 0 47 47 0 48 48 0 49 49 0 50 50 0 240 240 0
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 1.628 1.547 -81 1.628 2.131 503 1.628 2.400 772 1.628 1.295 -333 1.628 2.000 372 8.140 9.373 1.233
Werkleistungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 132 132 0 135 135 0 137 137 0 140 140 0 143 143 0 687 687 0
Aufwendungen gesamt 1.806 1.725 -81 1.810 2.313 503 1.813 2.585 772 1.817 1.484 -333 1.821 2.193 372 9.067 10.300 1.233
Nettoergebnis -1.806 -1.725 -1.810 -2.313 -1.813 -2.585 -1.817 -1.484 -1.821 -2.193 -9.067 -10.300

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Zum Zeitpunkt der Planung und der Erstellung der gegenständlichen WFA wurde mit gleichbleibendem Transferaufwand gerechnet. Aufgrund der COVID-19-Pandemie sind finanzielle Auswirkungen im Jahr 2020 eingetreten. In den Jahren 2018, 2019 und 2021 wurde der Transferaufwand auf Grund einer hohen Zahl an gut qualifizierten Bewerber/innen erreicht und teilweise sogar überschritten.


Wirkungsdimensionen

Es wurden keine wesentlichen Auswirkungen in der WFA abgeschätzt bzw. in der Evaluierung festgestellt.

Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: überplanmäßig eingetreten.

Das Förderungsprogramm Incoming unterstützt das Verknüpfen von internationalen wissenschaftlichen Kontakten und das Aufbauen von nachhaltigen Forschungsnetzwerken für nationale und internationale Studierende. Der Forschungsaufenthalt ist ein wichtiger Faktor, der die weitere akademische Karriere bzw. den beruflichen Weg überaus positiv beeinflusst. Durch die internationalen Kontakte ergaben sich Folgeprojekte auf institutioneller Ebene, von den Fördernehmer/innen selbst initiiert und etabliert.
Stipendiat/inn/en profitieren von wichtigen Kompetenzgewinnen in den Disziplinen sowie von einem Wissenstransfer, wovon auch die Heimatuniversität profitiert.

Folgende Incoming-Stipendien werden vom BMBWF gefördert:
Die „Ernst Mach-Stipendien“ sind Angebote an Studierende und Lehrende ausländischer Universitäten, einen Studien- oder Forschungsaufenthalt in Österreich zu absolvieren. Das „Ernst Mach-Stipendium weltweit“ richtet sich dabei an junge Forschende und Universitätslehrende aller Fachrichtungen, die außerhalb Österreichs studieren oder forschen und ein Forschungsprojekt in Österreich durchführen möchten. Ernst Mach-Stipendien können auch für Undergraduates und Graduates (Bachelor- und Masterstudierende) zum Studium an einer österreichischen Fachhochschule gewährt werden. Im Rahmen des ASEA-UNINET, wozu Länder wie Indonesien, Malaysia, Thailand, Vietnam und die Philippinen zählen, ermöglicht es das ASEA-European Academic University Network, dass Stipendien für Aufenthalte in Österreich vergeben werden. Ebenso werden im Rahmen des Eurasia-Pacific Uninet (EPU) Aufenthalte in Österreich für Studierende und Forschende unterstützt.
Das „Ernst Mach-Nachbetreuungsstipendium“ wird speziell für ehemalige Fördernehmer/innen aus außereuropäischen Entwicklungsländern angeboten.
Die „Franz Werfel-Stipendien“ werden für junge Universitätslehrende der Germanistik mit Schwerpunkt in der österreichischen Literatur angeboten, und „Richard Plaschka-Stipendien“ stehen insbesondere Forschenden in historischen Wissenschaften mit einem Schwerpunkt in österreichischer Geschichte zur Verfügung.
Österreich ist als Zielland für Studium und Forschung hoch angesehen, es gibt eine hohe Zahl an gut qualifizierten Bewerber/innen, das betrifft insbesondere die Fachbereiche GEWI, NAWI, SOWI und TECH. Hinsichtlich Bildungsebene sind zwei Drittel der Incoming-Studierenden Doktoratsstudierende. Vor allem aus den Hauptherkunftsländer: Argentinien, Brasilien, China, Indonesien, Mexiko, Slowakei, Thailand, Tschechien, Ungarn, USA sowie Vietnam konnten Incoming-Studierende verzeichnet werden. Vorzugsweise betreffend die Hauptzielinstitutionen in Österreich die BOKU, TU-Wien, Universität Graz und Universität Wien sowie die Fachhochschulen.

Selbst durch die Coronakrise war die internationale Mobilität ungebrochen, dort wo sie möglich war, wurde sie durchgeführt.
Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie im Rahmen des Auslandsaufenthalts waren:
- Verschiebung des Aufenthaltes
- Einschränkungen bei Nutzung der Infrastruktur
- physische Zusammenarbeit eingeschränkt
- Projekte und Veranstaltungen wurden ausgesetzt
- Ungewissheit bzgl. Rückreisemöglichkeiten
- man musste das Gastland temporär verlassen
- es gab spezielle Gesundheitsmaßnahmen
- Datensammlungen waren nur online möglich

Die Förderung von grenzüberschreitender, physischer Mobilität und die daraus entstehenden persönlichen Kontakte stellen eine wichtige und wertvolle fachliche sowie persönliche Bereicherung dar. Dies steht im Mittelpunkt der Förderprogramme. Die Firma WPZ Research GmbH wurde mit einer Evaluierung des persönlichen Mehrwertes der Stipendienprogramme des BMBWF für die einzelnen Stipendiat/inn/en beauftragt.

Verbesserungspotentiale

1. Bewerbung der Programme: Die meisten Fördernehmenden berichteten, dass sie nur durch eine bereits bestehende Verbindung zu Österreich (über die Förderungsnehmenden selbst oder eine/n Professor/in) auf das Programm aufmerksam wurden. Es wäre wichtig, dass die Programme in den International Offices der Hochschulen bekannt sind und entsprechend beworben werden. In klassischen Herkunftsländern (die aus der quantitativen Studie hervorgehen) könnte dies z. B. über die österreichischen Botschaften oder eine direkte Ansprache der Universitäten passieren.

2. Überarbeitung des Bewerbungsprozesses: Es ist ein noch stärkerer Fokus auf akademische Exzellenz und Passgenauigkeit für Forschende weltweit zu legen, sodass die Programme auch für hochqualifizierte Wissenschaftler/innen aus Nordamerika und Westeuropa attraktiv sind. Eine Plattform am technisch neuesten Stand ist hierfür ebenso relevant wie vielleicht auch der Hinweis, dass Empfehlungsschreiben von Professor/inn/en nicht über die Bewerbenden eingereicht werden müssen.

3. Stipendiendauer: Die Stipendiendauer (insb. Ernst Mach) wird von vielen Teilnehmenden als zu kurz beschrieben. Vor allem PhD-Studierenden ist es meistens nicht möglich, nach 3 Jahren fertig zu sein. Auch Postdocs empfinden die 9 Monate als zu kurz. Eine niederschwellige und unkomplizierte Möglichkeit zur Verlängerung sollte angeboten werden, nicht zuletzt um die Gefahr zu vermeiden, dass Forschungsprojekte nicht adäquat abgeschlossen werden können.

4. Nachbetreuung und Nachhaltigkeit des Forschungsaufenthalts: Franz Werfel- und Richard Plaschka-Stipendiat/innen können im Rahmen der Nachbetreuung über mehrere Jahre hinweg immer wieder für ein Monat nach Österreich kommen, das wird von allen Befragten als extrem wichtig und wertvoll beschrieben. Denn: Während des eigentlichen Aufenthalts konzentriert man sich eher auf die eigene Forschung, erst im Rahmen der Nachbetreuung sind Networking und dgl. möglich. Dadurch entfalten die Aufenthalte mehr Impact, es entstehen weitere Forschungskooperationen etc. Die Nachbetreuung sollte auf jeden Fall beibehalten werden, evtl. auch in den anderen Programmen angedacht werden. Auch Follow-up-Aufenthalte sollten aktiv angeboten werden (bei Ernst Mach wird diese Option bereits für außereuropäische Entwicklungsländer angeboten, und Aktivitäten, welche die Vernetzung der Programm-Alumni begünstigen (z. B. Konferenzorganisationen und dgl.) sollten niederschwellig finanziell unterstützt werden. In Summe kann davon ausgegangen werden, dass jegliche Form der Nachbetreuung positive Folgewirkungen des Aufenthalts verstärkt bzw. den Impact vergrößert.

5. Attraktivität der Programme steigern und wissenschaftliche Exzellenz fördern: Damit die Programme sich als Exzellenzprogramme profilieren und mit vergleichbaren internationalen Programmen mithalten können, sollten a) die Stipendienhöhe und b) das Umfeld, das den Teilnehmenden geboten wird, angepasst werden. Nach Angaben von Fördernehmenden ist die Stipendienhöhe in vergleichbaren Programmen in Deutschland teilweise um das 2-4-fache höher. Für Bewerber/innen, die von sehr weit her anreisen, sollten ab einer gewissen Aufenthaltsdauer auch zwischendurch Möglichkeiten zu einer Hin- und Rückreise ins Herkunftsland geboten werden. Auch Material- und andere Reisekosten sollten an reale Bedingungen angepasst werden. Bezüglich Umfeld ist ferner zu bedenken, dass ein aus Kostengründen erforderliches Leben im Studierendenheim für viele etablierte Forschende ein massiver Rückschritt ist, der sich nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden, sondern auch auf die Forschungsarbeit (z. B. durch Lärmbelästigung) negativ auswirken kann. Des Weiteren muss gewährleistet werden, dass die Fördernehmenden Zugang zur relevanten Infrastruktur (z. B. Bibliotheken, Archiven) während ihres gesamten Aufenthalts haben; ein spezielles Problem während der COVID-19-Pandemie.

6. Die Anpassung der Stipendienhöhe sowie des gebotenen Umfelds ist auch im Sinne der Inklusivität der Programme notwendig. Personen, die nicht genügend Eigenmittel aufbringen können oder ggf. den Aufenthalt mit ihrer Familie antreten, können ansonsten von der Teilnahmemöglichkeit ausgeschlossen werden. Ebenso im Sinne der Inklusivität sollte die Flexibilität der Programme in jeder Hinsicht beibehalten werden (wie bereits festgehalten ist dies ein ganz wichtiges Alleinstellungsmerkmal der BMBWF-Förderungsprogramme). So wirkt z. B. die Bedingung, dass PhD-Studierende bei den Werfel- und Plaschka-Stipendien bereits einen Arbeitsvertrag mit der Herkunftsuniversität haben müssen, eher einschränkend.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen