Seedfinancing & Green Seed Gesamtbeauftragung (GB) 2021

Inhaltsverzeichnis

Grunddaten

Beurteilung/
Kategorie
Langtitel Ressort Untergliederung Finanzjahr Inkrafttreten/
Wirksamwerden
Nettoergebnis
in Tsd. €
Vorhabensart
zur Gänze eingetreten: Seedfinancing & Green Seed Gesamtbeauftragung (GB) 2021 BMK UG 34 2020 2021 -5.176 Vorhaben gemäß § 58 Abs. 2 BHG 2013

Hintergrund

Beitrag zu Wirkungszielen

Problemdefinition

Neugegründete Unternehmen setzen wichtige Anreize für die heimische Wirtschaft, schaffen neue Arbeitsplätze und sind somit ein bedeutender Wachstumsmotor. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten haben sie eine stabilisierende Wirkung auf die (Weiter-)Entwicklung der österreichischen Volkswirtschaft. Speziell junge und (potenziell) schnell wachsende Unternehmen (in der Folge: Startups) spielen dabei eine entscheidende Rolle für die langfristige Wirtschaftsentwicklung. Sie treiben den strukturellen Wandel maßgeblich voran – etwa durch die zunehmende Diversifizierung der Branchenstruktur, aber auch durch die Identifikation beziehungsweise Nutzung spezifischer Marktnischen und der adäquaten Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen. Startups können schneller auf sich verändernde Marktbedingungen reagieren, neue Märkte erschließen und Möglichkeiten abseits bereits bestehender Produktionsprozesse besser wahrnehmen. Die dabei entstehende Konkurrenz führt somit nicht nur zu einem Verdrängungswettbewerb, sondern trägt maßgeblich zu einer positiven Wirtschafts- und Beschäftigungsdynamik bei.
Die volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz von Startups lässt sich auch anhand einiger ausgewählter Kennzahlen ablesen (Austrian Startup Monitor 2019):
- In Österreich wurden seit 2008 mehr als 2.200 Startups gegründet.
- Start-ups beschäftigen im Schnitt 9,4 MitarbeiterInnen. Im Summe umfasst der österreichische Startup-Sektor damit mittlerweile rund 17.500 Beschäftigte.
- Fast neun von zehn Startups haben vor, in den nächsten 12 Monaten zusätzliche MitarbeiterInnen einzustellen. Dies entspricht einem geplanten Wachstum von über 40% gegenüber dem aktuellen Stand. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der österreichischen Startups sollen demnach rund 7.500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
- 46 % der österreichischen Startups verfolgen soziale und/oder ökologische Ziele
- Mehr als 90 % der österreichischen Startups erzielen Umsätze im Ausland oder planen, in naher Zukunft auf internationalen Märkten aktiv zu werden. Jedes fünfte Startup erwirtschaftet bereits Gewinne.
- Was Technologie- und Innovationstrends betrifft, wird dem Thema Künstliche Intelligenz die größte Bedeutung beigemessen. Rund zwei Drittel der Befragten betrachten Künstliche Intelligenz als sein der fünf wichtigsten Zukunftstrends. Danach folgen Big Data (38 %) grüne Technologien (32 %) und Internet of Things (28 %).
Jedes vierte Startup gibt an, dass es sich von der österreichischen Politik mehr Anreize für Risikokapital erwartet. Gerade die Finanzierung ist ein wesentlicher Hemmfaktor für Gründungen und/oder in weiterer Folge deren Wachstum. Bei mehr als zwei Drittel der Startups haben die GründerInnen das eigene Ersparte in die Gründung und den Aufbau ihres Unternehmens investiert. Nationale öffentliche Förderungen und Unterstützungen sind bereits die zweitwichtigste Finanzierungsquelle österreichischer Startups. Fast jedes zweite Jungunternehmen macht davon Gebrauch.
Das jüngste European Innovation Scoreboard zeigt jedoch, dass Österreich sowohl in der Kategorie "Venture capital expenditures" als auch "Employment fast-growing enterprises" im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich abschneidet. Um sich im Bereich der Beschäftigten in schnell wachsenden Unternehmen zu verbessern, braucht Österreich Unternehmen, die das Potenzial haben, in der Zukunft zu wachsen. Unternehmen, die schnell wachsen, sind üblicherweise solche, die innovativ sind. Zur Finanzierung dieser Projekte werden Investorinnen und Investoren benötigt. Die in Österreich vorherrschende Form der Unternehmensfinanzierung durch Bankkredite erweist sich als Schwäche, da Banken aufgrund ihrer Geschäftsmodells nur selten bereit sind, das hohe Risiko einzugehen, das mit unternehmerischer Innovationstätigkeit, insbesondere in der Frühphase, zwangsläufig verbunden ist. Dies gilt insbesondere, wenn der proof-of-concept des Projekts erst zu erbringen ist. Jedoch entstehen in der Frühphase der Unternehmensentwicklung bei technologieorientierten Gründungen aufgrund der Notwendigkeit von F&E-Ausgaben (Labortests, technologische Umsetzung wie Prototypen, etc.) bereits hohe Kosten bei gleichzeitig noch geringen (bzw. oft auch noch fehlenden) Umsätzen. Gleichzeitig besteht aufgrund der Unsicherheiten über Technologie und der Akzeptanz auf dem potentiellen Markt ein hohes Risiko des Scheiterns und damit in weiterer Folge ein zu geringes Angebot an Fremd- bzw. Risikokapital. Dieses Phänomen wird auch als "valley of death" bezeichnet.
Die Notwendigkeit zur Finanzierung von Startups wurde auch durch die die Europäische Kommission erkannt. Artikel 107 im Vertrag über die Arbeitsweise Europäischen Union (AEUV) sowie Artikel 22 der Verordnung zur Feststellung der Vereinbarkeit bestimmter Gruppen von Beihilfen mit dem Binnenmarkt (AVGO) halten explizit fest, dass staatliche Finanzierungen für Gründungen von jungen Unternehmen im Interesse der Europäischen Gemeinschaft und deshalb mit dem Binnenmarkt vereinbar sind.
Klima- und Umweltschutz ist ein zentrales Thema in der angewandten Forschung. In Umsetzung des Regierungsprogramms 2020-2024 und des aktuellen Ressortschwerpunkts "Klimaschutz" legen die Förderungsprogramme des BMK, sowohl bei FFG als auch AWS, im Jahr 2021 ein besonderes Augenmerk auf die Aspekte des Klimaschutzes. Hierbei gilt es, Forschungs- Entwicklungs- und Innovationsprojekte mit besonderer Relevanz für den Klima- und Umweltschutz zu fördern.
Für klimaschutz- und umweltrelevante Gründungsprojekte in den Programmen PreSeed und Seedfinancing wird der Programmschwerpunkt Green Seedfinancing neu geschaffen. Ziel ist es, unter Wahrung der Wirtschaftlichkeitskriterien nachhaltige und klimaschutzrelevante Projekte mit den bekannten und etablierten Start-Up Programmen Preseed und Seedfinancing zu unterstützen.
Gemäß Ministerratsvortrag 25/22 vom 24. Juni 2020 "Investitionspaket für den Klimaschutz" sind für das Jahr 2021 für das BMK zusätzliche konjunkturbelebende Mittel in Höhe von 100 Mio. € für den Klimaschutz vorgesehen. Davon werden € 5,81 Mio. für Green Seed eingesetzt.

Zuordnung zu Strategien des Ressorts

Das Vorhaben ist mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts zuzuordnen.

Erläuterung des Zusammenhangs zwischen dem Vorhaben und mittel- und langfristigen Strategien des Ressorts/ obersten Organs bzw. der Bundesregierung

Handlungsleitend sind aus Sicht des BMK (vormals BMVIT) jedenfalls die FTI-Strategie der Bundesregierung: „Potenziale ausschöpfen, Dynamik steigern, Zukunft schaffen. Der Weg zum Innovation Leader.“ [Strategie der Bundesregierung für Forschung, Technologie und Innovation (2011) bis 2020], die FTI-Strategie 2030 (ab 2021), der FTI-Pakt 2021-2023 und die jeweiligen Regierungsprogramme, insbesondere das aktuell vorliegende Regierungsprogramm „Zusammen. Für unser Österreich. 2017–2022“ sowie die Gründerlandstrategie 2015. Zusätzlich werden auch einzelne themenspezifische UN-Nachhaltigkeitsziele/Sustainable Development Goals (SDGs) adressiert.

Gründerlandstrategie: Österreich als internationaler Netzwerkknoten, der die kreativsten und klügsten Köpfe anlockt, in dem die besten Ideen und Innovationen zum Blühen gebracht werden. Für eine neue Gründerzeit braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Das Seedfinancing-Programm bezieht sich unter anderem auf diese Strategie und ist dadurch ein wesentlicher Baustein der österreichischen Start-up Szene.

FTI-Strategie 2030: Bezug zu Ziel 1: Zum internationalen Spitzenfeld aufschließen und den FTI-Standort Österreich stärken sowie Ziel 2: Auf Wirksamkeit und Exzellenz fokussieren
Besonders relevant sind hierbei die Handlungsfelder: a) Die angewandte Forschung und ihre Wirkung auf Wirtschaft und Gesellschaft unterstützen und b) FTI zur Erreichung der Klimaziele


Ziele (und zugeordnete Maßnahmen)


Finanzielle Auswirkungen des Bundes (Kalkulation)

Ergebnisrechnung

Erwartete und tatsächlich eingetretene finanzielle Auswirkungen

Details (alle Aufwendungen) (nur Aufwendungen gesamt) 2020 2021 2022 2023 2024 Summe
In Tsd. € Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ Plan Ist Δ
Erträge 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Personalaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Betrieblicher Sachaufwand 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Transferaufwand 2.000 1.040 -960 7.377 3.311 -4.066 2.616 0 -2.616 1.408 0 -1.408 0 0 0 13.401 4.351 -9.050
Sonstige Aufwendungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Werkleistungen 200 200 0 625 625 0 200 0 -200 67 0 -67 117 0 -117 1.209 825 -384
Aufwendungen gesamt 2.200 1.240 -960 8.002 3.936 -4.066 2.816 0 -2.816 1.475 0 -1.475 117 0 -117 14.610 5.176 -9.434
Nettoergebnis -2.200 -1.240 -8.002 -3.936 -2.816 0 -1.475 0 -117 0 -14.610 -5.176

Beschreibung der finanziellen Auswirkungen

Werkleistungen: Die administrativen Kosten, welche der AWS für die Abwicklung des gegenständlichen Förderprogramms entstehen, werden als Werkleistungen dargestellt. Transferaufwand: Die dargestellten finanziellen Auswirkungen stellen geplante sowie tatsächlich eingetretene Zahlungen des BMK (vormals BMVIT) an die AWS dar. Betrachtet werden der im Jahr 2020 abgeschlossene Ausführungsvertrag bzw. die im Jahr 2021 abgeschlossene Gesamtbeauftragung zum gegenständliche Förderprogramm zum Thema Seedfinancing/Green Seed. Jährliche Abweichungen der IST-Werte zu den PLAN-Werten bzw. Verschiebungen bei den Zahlungsprofilen ergeben sich entsprechend den Projektverläufen und den tatsächlichen Mittelbedarfen. Da im Zuge der Evaluierung nur ein vorgegebener Zeitraum dargestellt werden kann, sind die finanziellen Auswirkungen zu den gebündelten WFAs über deren Gesamtlaufzeit nicht vollständig darstellbar und somit nicht umfassend aussagekräftig. Die Darstellung bei der Evaluierung bezieht sich auf einen Ausschnitt von 2 Jahren, die tatsächliche Abwicklung des Ausführungsvertrages/der Gesamtbeauftragung erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Weiters können die IST-Zahlen zu 2022, 2023 und 2024 zum Zeitpunkt der Evaluierung Anfang 2022 noch nicht angegeben werden. Es sind keine unerwarteten Probleme aufgetreten.


Wirkungsdimensionen

Es wurden keine wesentlichen Auswirkungen in der WFA abgeschätzt bzw. in der Evaluierung festgestellt.

Gesamtbeurteilung

Die erwarteten Wirkungen des Gesamtvorhabens sind: zur Gänze eingetreten.

Der Anteil an jungen, technologieintensiven und schnell wachsenden Unternehmen im Verhältnis zur Gesamtzahl an neu gegründeten Unternehmen ist im internationalen Vergleich in Österreich nach wie vor deutlich unterdurchschnittlich. Solche innovations- und wissensintensiven Unternehmensneugründungen, vor allem im High-Tech/Deep-Tech-Bereich beschleunigen den Strukturwandel in Richtung Wissensgesellschaft und fördern den Wissens- und Technologietransfer. Das Seedfinancing-Programm adressiert dieses Problem und ist ein wesentlicher Baustein der österreichischen Start-up Szene. Über das Modul PreSeed wurden im Evaluierungszeitraum durch Mittel des BMK 14 nachhaltige (Vor-)Gründung von wettbewerbsfähigen, wirtschaftlich selbstständigen, kleinen innovativen, technologieorientierten Unternehmen gefördert. Über das Modul Seedfinancing wurden 9 Gründungen bzw. das Wachstum von Unternehmen zur wirtschaftlichen Nutzung innovativer und technologisch avancierter Produktideen, Verfahren oder Dienstleistungen mit überdurchschnittlichem Marktpotential finanziert. Die Förderungsmittel des BMK (Anm.: Seedfinancing wird zusätzlich aus Mitteln des BMDW finanziert) adressierte dabei ausschließlich hochinnovative IKT-Gründungsprojekte. Insbesondere im Rahmen des 2021 neu geschaffenen Green Seed-Schwerpunktes konnten auch erstmals hochinnovative Startups, deren Geschäftsmodelle die Herausforderungen der Klimakrise adressieren, angesprochen werden. Die zum Teil leichten Abweichungen gegenüber dem Zielwert erklären sich insbesondere dadurch dass, aufgrund der steigenden Qualität der Förderungswerbenden, die durchschnittliche Förderung je Unternehmen in den letzten Jahren auf etwa EUR 330.000 je Förderungswerbenden ebenfalls gestiegen ist. Aufgrund der Begrenztheit der Mittel, konnten deshalb weniger Unternehmen gefördert werden. Insgesamt wurden die bereitgestellten Förderungsmittel vollständig ausgeschöpft. Die festgelegten Anteile der Projekte mit Bezug zu IKT und Green (mind. 50 % Seedfinancing, mind. 70 % PreSeed, 100 % Green Seed & Green PreSeed) sind vollständig erreicht.

Insgesamt zeigt der österreichische Start-up Sektor eine dynamische Entwicklung. Die Anzahl der Gründungen hat sich im Zeitraum 2009 bis 2019 in etwa verdoppelt, von 115 auf 233 (seit 2009 wurden mehr als 2.600 Startups gegründet). [Quelle: Austrian Start-up Monitor 2020, Seite 16]

Verbesserungspotentiale

Der Fokus bei der Beurteilung der eingereichten Vorhaben sollte zukünftig stärker auf die Qualität anstatt der reinen Quantität gelegt werden.

Weitere Evaluierungen

Es werden keine weiteren Evaluierungen durchgeführt.

Weiterführende Informationen